Mit dem Revierförster Christian Schmidt wandere ich im Bielatal auf einem Teilstück der neuen Trekkingroute Forststeig Elbsandstein. Hier zeigt sich der grenzüberschreitende 100 Kilometer lange Pfad durch die Sächsische und Böhmische Schweiz von seiner wilden Seite.

Ich atme schwer. Vor mir wischt sich einer mit der Hand den Schweiß von der Stirn. Hinter mir bleibt eine Frau stehen, richtet sich auf, holt tief Luft. Langsam gehen wir einen halben Kilometer lang eine schmale, steile Waldschneise hinauf. Die Frühlingssonne brennt ungewöhnlich heiß. „Wir haben die Höhe erreicht“, ruft Förster Christian Schmidt den acht Teilnehmern von oben zu, „jetzt kommt der Spaßfaktor zum Tragen.“ Wunderbar, denke ich. Das Abenteuer kann beginnen.

Ich habe mich einer geführten Kurzwanderung auf dem neu eröffneten Forststeig Elbsandstein im Bielatal unweit der Ottomühle angeschlossen. Am Vormittag erst durchschnitt Uwe Borrmeister vom Staatsbetrieb Sachsenforst mit Partnern ein Band in der Nähe des Pfaffensteins und gab somit offiziell die erste siedlungsferne, grenzüberschreitende Trekkingroute im Elbsandsteingebirge frei.

Forststeig Eröffnung (c) ThielPR, Angela Zimmerling
Schild zum Forststeig am Pfaffenstein, alle Fotos: ThielPR, Angela Zimmerling
Forststeig Eröffnung (c) ThielPR, Angela Zimmerling
Forststeig Eröffnung am Pfaffenstein

Sie führt in sieben Tagesetappen von Schöna an der deutsch-tschechischen Grenze über 100 Kilometer links der Elbe durch die Sächsische und die Böhmische Schweiz bis nach Bad Schandau. 13 Tafelberge und mehr als ein Dutzend Aussichtspunkte – darunter Großer Zschirnstein, Hoher Schneeberg, Gohrisch und Papststein liegen auf dem Weg.

Gelber Pinselstrich markiert den Forststeig Elbsandstein

Christian Schmidt führt uns nach links in den Wald hinein. Aspe, seine Dackelhündin, die er an der Leine hält, wedelt mit dem Schwanz. Ich muss eine Weile suchen, bis ich den gelben, senkrechten Pinselstrich am Baum erkenne, der den Forststeig markiert. Wäre ich hier allein unterwegs, ich hätte die Abzweigung wohl verpasst.

Forststeig Elbsandstein (c) ThielPR, Angela Zimmerling
Gelber Pinselstrich markiert den Forststeig
Forststeig Elbsandstein Förster Christian Schmidt (c) ThielPR, Angela Zimmerling
Förster Christian Schmidt
Forststeig Elbsandstein Försterhündin Aspe (c) ThielPR, Angela Zimmerling
Hündin Aspe

Denn was jetzt kommt, ist kein Weg, sondern Waldboden: ursprünglich, natürlich, wild. Es knackt unter meinen Schuhen. Ich trete auf abgefallene Zweige und in knöchelhohe Heidelbeersträucher, steige über herumliegende Baumstämme und von Wildschweinen durchwühlte Erde. Plötzlich habe ich einen Ast im Gesicht. Zwei Augen mehr wären jetzt nicht schlecht. Ein Paar für den Boden, um nicht zu stolpern und ein Paar, um die nächste Markierung nicht zu verpassen.

Trekking ist Wandern durch unwegsames Gelände

„Wir werden den Forststeig nicht aufräumen“, sagt Christian Schmidt. Das ist kein ausgebauter Wanderweg, sondern ein Trekkingpfad. Trekking steht für das Wandern durch unwegsames Gelände. Der Forststeig wird deshalb auch nur trittsicheren und geübten Wanderern empfohlen. Aber ein Mitwanderer, der ein Buch zur neuen Trekkingroute schreiben will, beruhigt mich: „Ich bin schon einige Strecken des Forststeigs gelaufen. Diese hier ist am schwierigsten.“ Die anderen Wege seien gut zu erkennen und leichter zu finden. Außerdem trete sich nach dem 500. Wanderer der Boden fest.

Forststeig Elbsandstein (c) ThielPR, Angela Zimmerling
Wanderung auf dem Forststeig mit Förster Christian Schmidt im Bielatal

Forststeig Elbsandstein (c) ThielPR, Angela Zimmerling

Wir gehen immer weiter oben auf einem Felsplateau durch den Hinteren Großen Schaftwald, vorbei an Birken und großen Sandsteinen. Aspe schnuppert aufmerksam am Boden. Ich erkenne Wildschweinspuren links am Abhang und rechts auf dem Waldboden.

Forststeig bedeutet auch: Aussichtspunkte für sich allein

An einem Aussichtspunkt, der kein offizieller ist, weil er nicht freigeschnitten wurde, blicken wir durch die Äste hindurch ins Bielatal hinüber auf die tschechische Seite. Einzelne Felsnadeln ragen aus dem dichten Wald heraus. Die Sonne lässt das frische Frühlingsgrün von Ahorn, Buche, Birke und Eberesche leuchten. Vor uns steht ein markanter Felsenturm. Unter uns geht es an der Kante steil den Hang hinab. Es ist absolut ruhig hier. Die Aussicht haben wir für uns allein. „Deswegen tut man sich das an“, sagt der Revierförster. Ich bin mir nicht sicher, ob er damit das Trekkingwandern oder seine eigene anstrengende Forstarbeit meint. Wer auch immer hier landet, genießt die Stille und bekommt den Kopf frei.

Forststeig Elbsandstein Blick auf Ostrov (c) ThielPR, Angela Zimmerling
Aussichtspunkt Grenzplatte auf Ostrov

An der Grenzplatte, einem Aussichtspunkt, der auch über einfache Wanderwege zu erreichen ist, treffen wir die ersten Wanderer. Von hier schauen wir auf Ostrov, einen kleinen Ort in Tschechien, durch den die zweite Etappe des Forststeigs führt. Vor uns liegen Kletterfelsen: der große und der kleine Grenzturm, die Grenznadel, auch den wachsamen Förster sehen wir gut. Die Region beiderseits der Biela ist bekannt für ihre zahlreichen Kletterfelsen, rund 250 Gipfel kann man hier besteigen.

Forststeig Elbsandstein Bielatal (c) ThielPR, Angela Zimmerling
Der Forststeig verläuft hier auf dem Wanderweg

Unser Rückweg verläuft auf dem festgetretenen Wanderweg 100 Höhenmeter bergab bis wir den breiten Bielgrundweg erreichen, der uns zurück zu unserem Ausgangspunkt bringt. Der Forststeig aber biegt hier im Tal der Biela nach rechts ab und führt auf dieser Etappe entlang alter Grenzpfade und Waldwege weiter bis zur Rotsteinhütte. Hätte ich meinen Schlafsack dabei, würde ich in der Trekkinghütte übernachten. Dann wäre das kurze Wildnis-Abenteuer für heute perfekt. // Angela Zimmerling

Details zum Forststeig Elbsandstein

Start: Bahnhof Schöna
Ziel: Nationalparkbahnhof Bad Schandau
Länge: 100 Kilometer
Dauer: 6 bis 8 Tage, 7 empfohlene Tagesetappen von 8,6 bis 20 Kilometern
Übernachtung: 5 einfach ausgestattete Trekkinghütten (mit Komposttoilette, Sitzgelegenheit, Holzofen und Feuerholz, keine Matratzen, kein Trinkwasser) und 3 Biwakplätze mit Platz für 5 Zweimannzelte. Ein Trekkingticket, das bei Servicepartnern und Sachsenforst erhältlich ist, muss entwertet werden. Komfortablere Unterkünfte in Gasthöfen und Ferienwohnungen können über kleinere Abstecher erreicht werden. Zelten im Wald ist verboten.
Öffnungszeiten: April bis Oktober
Hinweis: anspruchsvolle Trekkingroute, nur für geübte und trittsichere Wanderer
Webseite von Sachsenforst zum Forststeig

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