Die Hike-Society Sommerjobberin Nadine Hein berichtet von ihrer ersten Tour durch die Sächsische Schweiz:

Stiegentour- Zwillingsstiege und Häntzschelstiege mit Wanderführerin Alrun
Sehenswürdigkeiten: Ausblicke auf Königsstein, Kleiner- und Großer Winterberg, Kuhstall, Zirkelstein und Zschirnstein
Km: ca. 10, Hm: 471; Einkehrmöglichkeiten: keine, Picknick auf dem Gipfel

-Ich bin wieder da, immer einen Fuß vor den anderen setzend-

Wahnsinn, so schnell sind die vier Wochen Pause vergangen, gefüllt mit einem gewaltigen Kulturschock, der ständigen Sehnsucht nach frischer Luft und Bewegung und dem Zurückfinden in den ganz normalen Wahnsinn.
Und jetzt geht es weiter, nicht ganz so chaotisch und schlaflos wie beim letzten Mal mit Arbeit bis mittags, einer 650 km langen Tour quer durch die Republik immer gen Osten zu meinem Ziel Bad Schandau in der Sächsischen Schweiz.
Spannend wie immer, am ersten Morgen aufzustehen und die Landschaft das erste Mal bei Tageslicht zu sehen. Und die hier hat es wahrlich verdient bestaunt zu werden, Sie brauchen eine neue Filmkulisse? There you are.

-Alles bio…logisch! –

Zunächst verdient mein momentanes Domizil einer Erwähnung, denn ich habe in einem Biohotel Quartier bezogen, das 1894 erbaut wurde und direkt an der Elbe liegt. Sowohl Getränke als auch Speisen sind komplett biologischer Herkunft und es gibt sogar einen hauseigenen Garten.
Im elektrosmogbefreiten Zimmer mit Lehmputz, metallfreiem Bett und kompletter, sehr moderner Holzeinrichtung schlief ich, meinen Kopf auf ein Hirsekissen gebettet wie ein Stein. Ich bin ja nun kein ausgewiesener Verfechter dieser Lebensphilosophie, bin aber wirklich beeindruckt von der Qualität der Speisen, dem Aufwand sich unzähligen, permanenten Kontrollen zu unterziehen und der natürlich- schönen Unterkunft.
Ähnlich wie auf dem Jakobsweg beim Durchqueren der Fenchelfelder fühlt man sich hier schon in der bloßen Anwesenheit gesünder.
Mit viel Liebe zum Detail wurde hier eine Ferienunterkunft besonders für Liebhaber dieser Philosophie geschaffen, in der sich aber sicherlich auch der „gemeine“ Tourist wohlfühlt und vielleicht die eine oder andere Anregung mit nach Hause nehmen kann.

– Wanderung mit Nadel(-öhr) und Faden-

Meinen Restart machte ich heute in einer netten kleinen Truppe mit einer Hessin und zwei Kölnern geführt von Alrun. Wir fuhren gemeinsam ins Kirnitzschtal zum Parkplatz Beuthenfall, von wo aus es dann zu Fuß weiterging in Richtung Affensteine.
Die Wanderung bis zum Einstieg betrug etwa eine viertel Stunde und geht über einen schönen Waldpfad gemächlich nach oben. Zum Einstieg durften wir uns an der Zwillingsstiege versuchen, die über eine lange Holzstiege zu erreichen ist.
Irgendwann standen wir vor einer nahezu senkrechten Wand, an der sich anhand der Metallklammern der Weg nach oben zeigte. Es ist ein kurzer knackiger Aufstieg, an dem ich mich das erste Mal mit einem Klettersteigset ausprobieren durfte, was mir allerdings nicht allzu schwer fiel, weil ich schon ein paar Jahre hin und wieder und in letzter Zeit zuhause recht regelmäßig Sportkletterei betreibe.
Oben angekommen genossen wir die tolle Aussicht und es stellte sich bei Inspizierung des weiteren Weges heraus, warum Alrun uns so eingehend gemustert hatte bei der Vorstellung. Der Durchgang an der sogenannten Jammerspitze ist so eng, dass man möglichst nicht allzu ausladend gestaltet sein sollte, um nicht als Presswurst am Durchgang zu enden.
Wir hatten aber Gottlob alle nicht allzu viel gefrühstückt und passierten die Engstelle ohne größere Probleme und es ging anschließend wieder ungesichert weiter.

-Abstieg durch die wilde Hölle-

Zu schön dieser Name, um unerwähnt zu bleiben. Um zu unserer nächsten Stiege zu kommen, mussten wir erst einmal wieder den Rücktritt antreten, was wir durch eine Schlucht mit dem schönen Namen wilde Hölle taten. Hier türmen sich Unmengen grün bemooster, riesiger Felsbrocken und es ist ein schöner, ebenfalls teilweise mit Metallklammern versehener Weg nach unten.
Dort angekommen führte unser Weg uns ein Stück über den Malerweg, von dem ich Euch im späteren Verlauf der Woche noch berichten werde. Es ging Richtung Bloßstock , einem eindrucksvollen Kletterfelsen, der die hier typischen Voraussetzungen aufweist. Es handelt sich bei dem Felsen um Sandstein, der schmiergelpapierähnlich guten Halt für die Füße bietet, aber stellenweise auch ein wenig bröckelig ist. Die Sächsische Schweiz folgt nach wie vor alt aufgestellten Kletterregeln und hier ist ein Abstand von drei Metern von Sicherungspunkt zu Sicherungspunkt vorgesehen, was voraussetzt, dass man einen guten Vorsteiger dabei hat.
Wir hielten uns aber rechts vom Felsen, vorbei zum Einstieg des Steiges, der direkt am Anfang recht anspruchsvoll bergauf ging, wohl um Ungeübte abzuhalten. Die Häntzschelstiege, benannt nach ihrem Erbauer ist ein sanierter, gut ausgebauter Klettersteig, der bei entsprechender Schwindelfreiheit gut begangen werden kann.

-Auf zum langen Horn-

Der Weg schlängelte sich über eine mit Drahtseilen gesicherte Serpentine nach oben, wo man eine herrliche Aussicht auf die Festung Königsstein, den Felsen Kuhstall und die umliegende Landschaft hatte.
Besonders schön, Ihr werdet es an den Bildern sehen, der Herbst hat Einzug gehalten und es ist ein Überfluss an bunter Blätterschönheit, die mich total begeisterte.
An unserem Gipfel angekommen konnten wir uns einer gewissen Euphorie nicht erwehren, waren wir doch alle weitesgehende Klettersteigneulinge. Wir wanderten nun sicher und unausgesetzt noch etwa 10 Minuten weiter und hielten bei wunderbarer Aussicht in die untenliegende Landschaft ein wohlverdientes Siegerpicknick ab.
Anschließend ging es in altgewohnter Manier auf Schusters Rappen eine geschätzte halbe Stunde Schusters Rappen Richtung Parkplatz zurück zum Ende der sehr schönen Tour.

-Fazit-

Ich bin schon wieder voll in meinem Element und habe die Strapaze der Anfahrt gefühlt schon wieder vergessen.
Immer wieder bin ich überrascht darüber, wie schnell und wie viel Ruhe mir das draussen unterwegs sein gibt und macht mich dankbar.

-Fazit II-

Fürchte, ich muss die Bilder morgen nachreichen, im elektrosmogbefreiten Zimmer gibt es perse schonmal keine Internetverbindung und so hocke ich gerade an einem Brunnen in Bad Schandau…auch hier zumindest was die Bilder anbelangt, ohne Erfolg. Die Berichte ins Netz zu stellen ist, wie schon so oft, meine gößte Herausforderung und Teil des Abenteuers Sommerjob.

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