©: Anna Meurer

Handwerk zum Anfassen: Diese Schaumanufakturen laden zum Mitmachen ein.

Das hauchdünne Seidenblatt raschelt leise, während es von zwei Fingerspitzen in Form gebogen wird. Noch ein Tupfer Farbe, ein letzter Griff – und schon öffnet sich eine Blüte, die nie welken wird. In der Werkstatt der Deutschen Kunstblume Sebnitz wird ein altes Handwerk bewahrt.

Es ist eine Kunst, die aus Europa fast gänzlich verschwunden ist: die Seidenblumenherstellung.

Blütenpracht selbst gemacht

Um 1900 waren mehr als 10.000 Sebnitzer in das Handwerk involviert. Heute sind es noch zwölf Frauen, die in überlieferten Arbeitsschritten und mit historischen Werkzeugen aus Taft Rosenblätter oder aus Samt Stiefmütterchenblüten formen. Beim „Blümeln“ entstehen wahre Unikate. Besucher können den Weg der Blütenpracht vom Stanzen über Färben und Prägen bis hin zum Binden miterleben – und unter Anleitung auch ihre eigene Fingerfertigkeit testen.

Ein Mann und ein junges Mädchen basteln an einem Tisch. Der Mann hält einen kleinen Stock und führt das Mädchen, das vorsichtig eine lila Blume auf ein kleines Objekt legt. Beide sind auf ihre Arbeit konzentriert. Im Hintergrund sind grüne Stühle und ein Holztisch zu sehen.©: Yvonne Brückner

Täglich steht der Arbeitssaal offen – außer montags, da gehört er allein den Kindern. In der Erlebniswerkstatt entdecken sie gemeinsam mit den Blümelfrauen das Traditionshandwerk und gestalten mit historischen Stanzeisen, feinen Pinseln, Blumendraht und musealen Schablonen ihr ganz persönliches Souvenir.


Manufakturen zum Mitgestalten

Manufakturen zum Mitgestalten gibt es auch andernorts in der Sächsischen Schweiz. In der Kerzenzieherei in Krietzschwitz etwa schimmert in großen Holzbottichen flüssiges Kerzenwachs in vierzehn verschiedenen Farben. Geduldig tauchen Kinder und Erwachsene den langen Docht immer wieder ein und drehen ihn sanft – bis die Kerze Schicht für Schicht gewachsen ist.

Die Hand einer Person taucht zwei lange, gelbe Kerzen in ein altes, mit Wachs gefülltes Holzfass, was Kerzenherstellung symbolisiert. Im Hintergrund sind Holzmöbel und verschiedene Gegenstände zu sehen, was auf eine Handwerks- oder Werkstattumgebung hindeutet.©: Achim Meurer

Auch in der Galeriewerkstatt Ansichtssache in der Kirchgasse in Pirna wird mit Farben gearbeitet. Die Künstlerinnen Claudia Pinkau und Heike Küchler laden immer donnerstags und freitags nach vorheriger Anmeldung zum Aquarellmalen ein. Teilnehmer erlernen dabei die wichtigsten Techniken und bringen Blumen und Landschaften auf die Leinwand. Anfänger dürfen zum Schnuppern kommen.


Ab in die Schnitzbude

Handwerkskunst und Regionalgeschichte kommen in der Schnitzbude in Hohnstein zusammen: Theaterplastikerin Elisabeth Trobisch führt in der Kasperstadt die hundertjährige Tradition des Puppenkopfschnitzens fort und lässt sich in der kleinen Werkstatt über die Schulter schauen. In Kursen lädt sie Neugierige ein, kleine Objekte, Schmuck oder Anhänger selbst zu schnitzen.

Auf einer mit Holzspänen bedeckten Werkbank liegen Holzschnitzwerkzeuge, im Hintergrund sind zwei geschnitzte Holzpuppenköpfe zu sehen, von denen einer bemalt und der andere unbearbeitet ist. Durch ein Fenster fällt Tageslicht herein.©: Schnitzbude Hohnstein

Kunstwerke aus Sandstein

Die haltbarsten Kunstwerte formt Steinmetz Jan Lorenz in Dorf Wehlen. Aus Sandstein haben er und seine Familie in Handarbeit die Region im Maßstab nachgebildet und so den Miniaturpark Kleine Sächsische Schweiz gestaltet. In Workshops dürfen Besucher hier auch selbst zu Knüpfel und Meißel greifen und unter Anleitung Ornamente aus Sandsteinquadern herausarbeiten.

Eine Person mit Brille und grünem Poloshirt schnitzt mit Hammer und Meißel filigrane Details in eine Steinskulptur. Ihre Konzentration und Präzision sind offensichtlich, während sie in einer gut beleuchteten Werkstatt arbeitet.©: Sebastian Thiel

Wachs, Holz, Sandstein – die Vielfalt der Materialien macht die Handwerkszene der Sächsischen Schweiz so besonders. Und sie ist noch reicher: In Cunnersdorf wird mit Kräutern gearbeitet, im Bielatal mit Seifen, in Rosenthal mit Porzellan. Die Holzkunstwerkstatt von Ratags in Langenwolmsdorf, die alte Buchdruckerei am Dohnaer Markt und die Keramikwerkstatt in Hinterhermsdorf laden ebenso zum Staunen ein – und Mitmachen.

■ Text: Anne Jungowitz

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