©: Annabella TÀnzler

Achtsam wandern

GefĂŒhrte Touren laden dazu ein, das Erstaunliche im Unscheinbaren zu entdecken. Wir waren mit Guide im Bielatal unterwegs und haben die eindrucksvolle Felsenwelt einmal ganz bewusst mit allen Sinnen erfahren.

Mit einem tiefen Atemzug saugen wir die aromatische Waldluft ein. Wir sitzen in einem Felskessel im Bielatal auf einem weichen Teppich aus Erde und Kiefernnadeln. Der GedĂ€chtnishain ist ein magischer Ort, die Stille kostbar. Erst, als unsere GĂ€stefĂŒhrerin uns leise bittet, ganz bewusst den GerĂ€uschen des Waldes zu lauschen, klopft ein Specht – als hĂ€tten sich die beiden abgesprochen.

An diesem sonnigen Augustvormittag sind wir auf „Sinneswanderung“. Es ist ein noch junges Angebot der zertifizierten Natur- und LandschaftsfĂŒhrerin Antonia Ludwig, die auch Achtsamkeits- und Mentaltrainerin ist. Die Aufmerksamkeit schĂ€rfen fĂŒr die Vielfalt an SinneseindrĂŒcken, welche die Felsenwelt ihren Besuchern zu bieten hat: Das ist das Anliegen der Tour. Mal geht es durch den Liebethaler Grund, mal ĂŒber die Rauensteine, mal den Panoramaweg entlang, oder, wie heute, durch das Bielatal.

Große Auswahl an gefĂŒhrten Touren

Antonia Ludwig ist eine von zahlreichen GĂ€stefĂŒhrern, die Wanderer durch die SĂ€chsische Schweiz begleiten. Jeder und jede bringt persönliche Leidenschaften und HintergrĂŒnde mit. Entsprechend breit ist das Spektrum der Angebote. Es reicht vom Picknick mit regionalen Delikatessen ĂŒber abenteuerliche Stiegentouren bis hin zu Exkursionen mit speziellen geologischen, biologischen oder historischen Themen. Manchmal kommen sogar Alpakas oder Waldziegen mit. Ein beliebtes, regelmĂ€ĂŸiges Angebot sind die tĂ€glich startenden „Entdeckertouren“ der Nationalpark- und Forstverwaltung.

Unser heutiges Thema ist die Achtsamkeit. Antonia Ludwig fĂŒhrt uns vom historischen Hochofen ĂŒber Berthablick, Rosengarten, die Kaiser-Wilhelm-Feste und die HerkulessĂ€ulen zu OttomĂŒhle und Sachsenstein. Dabei zeigt sie uns immer wieder die kleinen SchĂ€tze am Wegesrand, an denen wir ohne sie wahrscheinlich vorbeigelaufen wĂ€ren. Wir entdecken essbare Perlpilze, streichen ĂŒber weiches Moos und kosten Sauerklee. Auch an einer fast hundertjĂ€hrigen Fichte bleiben wir stehen. „Die Furchen in der Rinde sind wie unser Lebensweg – nie geradlinig und dennoch immer der Sonne entgegen“, sagt Antonia Ludwig. Wir ertasten die raue OberflĂ€che.

So manch Einheimischer weiß nicht, welchen Naturschatz wir hier haben.

Als wir den Berthablick erreichen, staunen wir. Der Aussichtspunkt ist im Gegensatz zu Bastei, Lilienstein und Co. kaum bekannt. Doch der Blick ĂŒber den Wald, die zerklĂŒfteten Felsen und hinunter auf die SchweizermĂŒhle ist fantastisch. Wir erfahren, dass im 19. Jahrhundert dort unten mondĂ€ner Kurbetrieb herrschte. Selbst gekrönte HĂ€upter schĂ€tzten die Badekuren im glasklaren Wasser der hiesigen Gebirgsquellen. Prominentester Gast war der letzte sĂ€chsische König Friedrich August III. Anfang des 20. Jahrhunderts endete das glorreiche Kapitel. Anschließend dienten die GebĂ€ude als Erholungs- und Ferienheim, Quartier fĂŒr Heimatvertriebene, HeilstĂ€tte und Altenpflegeheim. Heute steht die SchweizermĂŒhle leer. Der gleichnamige Ort ist wieder ein Geheimtipp fĂŒr Naturgenießer.

Die Schönheit der SÀchsischen Schweiz entdecken

Wir gehen weiter. „Der Rucksack auf meinem RĂŒcken ist mit mir schon durch SĂŒdamerika gereist“, verrĂ€t uns Antonia Ludwig. Lange Zeit sei es ihr Anliegen gewesen, Menschen fĂŒr andere LĂ€nder zu begeistern. Dann kam Corona – und die gebĂŒrtige Pirnaerin entdeckte die Schönheit der SĂ€chsischen Schweiz direkt vor ihrer HaustĂŒr wieder. „So manch Einheimischer weiß nicht, welchen Naturschatz wir hier haben“, erklĂ€rt sie. Genau den möchte sie ihren GĂ€sten nĂ€herbringen und zeigen, wie heilsam die Zeit im Freien ist.

Im versteckten GedĂ€chtnishain leitet die Achtsamkeitstrainerin mit ruhiger Stimme eine Meditation an. Danach wandern wir zum Rosengarten, einem Ort mit toller Akustik, die Bergsteigerchöre frĂŒher gern fĂŒr Auftritte nutzten. Manchmal stimmt Antonia Ludwig hier mit ihrer Gruppe ein Lied an. Doch heute gehen wir weiter, erleben bewusst mit allen Sinnen und lassen uns mehr ĂŒber Flora, Fauna und Geschichte der Region erzĂ€hlen. Am Ende haben wir das GefĂŒhl, die Stunden seien verflogen. Wie schnell die Zeit vergeht, wenn man unter Naturfreunden unterwegs ist.

GefĂŒhrte Tour buchen

GefĂŒhrte Touren können ĂŒber den Tourismusverband bequem online gebucht werden.

Text: Sebastian Thiel, Annabella TĂ€nzler

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