©: Sebastian Thiel

Ein Ausflug in den Freizeitpark gehört zu einem Urlaub mit Kindern einfach dazu. In der SÀchsischen Schweiz stehen gleich mehrere dieser bunten Erlebnisreiche zur Wahl. Nicht nur bei FeriengÀsten sind sie beliebt. Wir haben Familien aus der Region gebeten, uns ihre liebsten Freizeitziele vorzustellen. Teil 1 unserer dreiteiligen Mini-Serie: der Miniaturpark Kleine SÀchsische Schweiz in Dorf Wehlen, ein Lebenswerk aus Sandstein.

Der einjĂ€hrige Leopold muss sich strecken, um an den schwarzen Knopf vor dem Miniatursteinbruch zu kommen. Seine sechsjĂ€hrige Schwester Leonore hilft ihm. Gemeinsam drĂŒcken sie ihn nach unten. Drei Warnsignale ertönen. „Krawumm“, donnert die Sprengung. Der Boden bebt. Die Sandsteinwand fĂ€llt. Rauch quilt aus dem Steinbruch und verhĂŒllt die Miniaturlandschaft. Leopold staunt. Neben ihm stehen die drei BrĂŒder Nicolas, Johannes und Matthias Sattler. Gebannt schauen sie auf die winzigen Sandsteinfelsen und die Steinbrecher, bis sich der Nebel verzogen hat.

Vier Kinder, drei Jungen und ein MĂ€dchen, stehen mit dem RĂŒcken zur Kamera und betrachten eine neblige, felsige Szene im Freien. Das MĂ€dchen trĂ€gt einen Strohhut und alle Kinder tragen Freizeitkleidung. Der Hintergrund ist ĂŒppig mit GrĂŒn und kleinen Felsen bedeckt, durch die Sonnenlicht fĂ€llt.©: Sebastian Thiel

Die fĂŒnf Kinder aus Dorf Wehlen zeigen uns an einem lauen Juniabend mit ihren Eltern und Urgroßeltern ihre LieblingsplĂ€tze in der Kleinen SĂ€chsischen Schweiz, einem 8.000 Quadratmeter großen Miniaturpark ganz in der NĂ€he des ElbstĂ€dtchens Wehlen. Es ist das Lebenswerk von Jan Lorenz, seinem Vater Michael und Mutter Karin. 1997 begann die Transformation von einem HĂŒhnerhof auf dem GelĂ€nde eines ehemaligen Steinbruchs in die einzigartige Miniaturwelt aus nachgebildeten Felsen und SehenswĂŒrdigkeiten der SĂ€chsischen Schweiz. Der Clou: Hauptwerkstoff war und ist der heimische Sandstein.

Sandsteinandenken in Miniaturform

„Wir hatten zwei RĂŒstböcke, ein Kantholz, Schubkarren, Spitzhacken und diese Wahnsinnsidee“, erinnert sich Jan Lorenz, damals 15 Jahre alt, an den Anfang des Projektes. Sein Vater, von Beruf Bauleiter, hatte zuvor schon einige Jahre im Keller seines Hauses aus Sandstein kleine Andenken, darunter auch bekannte Felsformationen, gemeißelt. Sie in einer Landschaft in Szene zu setzen, war seine Idee.

Sohn Jan ließ sich von der Begeisterung des Vaters anstecken, absolvierte bei den SĂ€chsischen Sandsteinwerken eine Lehre als Steinmetz. SpĂ€ter setzte er den Steinbildhauermeister obenauf. 2011 ĂŒbergab der Vater die Leitung des Freizeitparks an den Sohn. In der Schauwerkstatt können ihm Besucher bei der Arbeit an neuen Sandsteinmodellen oder Auftragsarbeiten ĂŒber die Schulter schauen. Im Sandstein-Laden, um den sich Mutter Karin kĂŒmmert, sind die Souvenirs erhĂ€ltlich.

Eine Person mit Brille und grĂŒnem Poloshirt schnitzt mit Hammer und Meißel filigrane Details in eine Steinskulptur. Ihre Konzentration und PrĂ€zision sind offensichtlich, wĂ€hrend sie in einer gut beleuchteten Werkstatt arbeitet.©: Sebastian Thiel

Zu „Conquest of paradise“ fĂ€hrt die Kirnitzschtalbahn ein

Inszenierte Überraschungseffekte wie im Miniatur-Steinbruch sind ein Merkmal der Kleinen SĂ€chsischen Schweiz. Am Lichtenhainer Wasserfall drĂŒckt der sechsjĂ€hrige Matthias auf den schwarzen Knopf. Henry Maskes Einmarschlied „Conquest of Paradise“ erklingt. Aber statt des Boxweltmeisters fĂ€hrt die Miniaturversion der Kirnitzschtalbahn vorbei, wĂ€hrend im Hintergrund der Wasserfall plĂ€tschert. Matthias und sein Bruder Johannes lauschen andĂ€chtig.

Vier Kinder stehen am Rand eines kleinen Kanals und beobachten ein Modellboot im Wasser. Die Szene ist von ĂŒppigem GrĂŒn und BĂ€umen umgeben. Die Kinder wirken aufmerksam und neugierig, wĂ€hrend sie dem Boot zuschauen, wie es durch den gewundenen Wasserweg navigiert.©: Sebastian Thiel

GegenĂŒber dreht unterhalb des nachgebauten Liliensteins auf einem Wassergraben, der die Elbe darstellt, ein Schleppdampfer seine Runde. Die drei BrĂŒder mustern ihn genau. Der siebenjĂ€hrige Johannes beugt sich nach vorn, um noch besser sehen zu können. „Ich bin mit dem Kindergarten auch schon mal Dampfer gefahren“, sagt er. Dieser hier kann es allerdings nicht gewesen sein. Der echte Schleppdampfer „Sachsen“ ging 1945 außer Dienst.

Im Audioguide spannende Geschichten aus der SÀchsischen Schweiz hören

Solche Details erfahren Besucher, wenn sie mit ihrem Smartphone einen QR-Code, der auf kleinen grĂŒnen Schildern abgedruckt ist, scannen. Dann öffnet sich der Audioguide zur Kleinen SĂ€chsischen Schweiz. In kurzen HörbeitrĂ€gen erklĂ€rt ein Sprecher Wissenswertes zur jeweiligen SehenswĂŒrdigkeit. So wird der Miniaturpark zum begehbaren Heimatlexikon.

Wissen spielerisch vermitteln: Das ist ein Anliegen von Jan Lorenz. „Mir ist es wichtig, den Besuchern die Besonderheiten der SĂ€chsischen Schweiz nahe zu bringen“, sagt der Wehlener. So erfahren sie hier mehr ĂŒber die erste deutsche Ballonfahrerin und ihren Absturz ĂŒber der SĂ€chsischen Schweiz oder ĂŒber das Flugzeug „Baade 152“, dessen Triebwerke in Pirna entwickelt wurden. Kinder können sich am Eingang das „Fuchsi-Quiz“ oder das „Stempel-Such-Quiz“ ausleihen. Ganz nebenbei sammeln sie so Wissen ĂŒber das Elbsandsteingebirge.

GÀstebeförderung per Miniatur-Bergbahn

Unsere jungen ParkfĂŒhrer interessieren sich jetzt allerdings vor allem fĂŒr die Miniatur-Bergbahn. Die winzige Lokomotive ist eine Nachbildung der sĂ€chsischen IV K Lok, die einst durchs Schwarzbachtal fuhr. Am Bahnhof „Goßdorf-KohlmĂŒhle“ steigen alle auf die kleinen AnhĂ€nger. Leonore, die Tochter des Inhabers, darf die GĂ€ste – heute ihre Urgroßeltern, ihren Bruder Leopold und eine Nachbarsfamilie – ausnahmsweise ein StĂŒck fahren. „Leopold, fein festhalten“, ruft Urgroßmutter Doris dem EinjĂ€hrigen noch zu, dann geht es los. Vorsichtig drĂŒckt Leonore den schwarzen Hebel und schon setzt sich die Kleinbahn in Bewegung. 900 Meter geht es acht Höhenmeter hinauf zum Bahnhof „Lohsdorf“ und wieder zurĂŒck. FĂŒr die kleine Schmalspurbahn wegen des starken GefĂ€lles ein Kraftakt.

Eine Gruppe von Kindern und Erwachsenen sitzt auf einer Miniatureisenbahn im Freien und lĂ€chelt und winkt in die Kamera. Die Eisenbahn fĂ€hrt auf Gleisen, umgeben von GrĂŒn und einer Felswand. Die Kinder auf den Vorder- und Mittelsitzen wirken aufgeregt und glĂŒcklich.©: Sebastian Thiel

Leopold ist fĂŒr heute genug Bahn gefahren. Er quengelt. Mutter Henriette gibt ihm eine Trinkflasche. Leonore und die drei Nachbarsjungen klettern zum Abschluss schnell ins SpielhĂ€uschen, das mit bunten BĂ€llen gefĂŒllt ist. WĂ€hrenddessen sind die Urgroßeltern schon auf dem Weg nach draußen. Sie werfen noch einen Blick in den Sandstein-Laden. Hier verkaufen Jan Lorenz und sein Team die in der Werkstatt entstandenen Felsminiaturen, Pyramiden und PostsĂ€ulen. Auch Brettspiele können sich Kinder hier ausleihen, die dann im Freizeitpark auf Picknicktischen ausprobiert werden können. Bevor auch wir „Auf Wiedersehen!“ sagen, muss uns Jan Lorenz von seinen Zukunftsideen berichten. Und davon hat er wahnsinnig viele im Kopf. In diesem Jahr will er das Modell der Schifferfastnachten fertig stellen. Die einmalige regionale Karnevalstradition soll mit Seifenblasen und Guggemusik zĂŒnftig in Szene gesetzt werden. Außerdem sind einige Tunneleinfahrten zu meißeln. Dann wartet das Wappen fĂŒr eine PostsĂ€ule auf seine Vollendung. Nein, fertig wird die Kleine SĂ€chsische Schweiz wohl nie – wie das so ist, bei einem Lebenswerk.


Tickets

Tickets fĂŒr den Besuch der kleinen SĂ€chsischen Schweiz können hier gebucht werden: Erlebnis-Shop


Mehr Infos

Adresse

Schustergasse 8
01829 Dorf Wehlen

Öffnungszeiten

April bis Oktober
10 bis 18 Uhr

Verpflegung

Kleines Imbissangebot im Freizeitpark.

Barrierefreiheit

Der Freizeitpark ist fĂŒr Rollstuhlfahrer in Begleitung geeignet.


Fotos und Text: Sebastian Thiel und Angela Zimmerling


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1 Comment

  1. Gabriele JĂ€nsch

    Ich habe die kleine SĂ€chsische Schweiz Anfang September besucht. Sehr sehenswert. Zumal ich viele dort gezeigte SehenswĂŒrdigkeiten im Original kenne. Der Besuch lohnt sich und meiner Meinung nach nicht nur fĂŒr Kinder.
    Aus meiner Sicht ein Nachteil, der Weg von Stadt Wehlen bis nach Dorf Wehlen ist doch etwas anstrengend und weit. Vorteilhaft wĂ€re es wenn vom Marktplatz in Stadt Wehlen eine kleine Bahn zur Ausstellung fahren wĂŒrde.