©: Torsten Rogge

Wintergetestet von Nicole

Freche Nase, spitze Mütze und immer einen flotten Spruch auf den Lippen – so kennen wir den Kasper. Doch wusstest du, dass er in Hohnstein zu dem liebenswerten Kinderhelden wurde, der er heute ist? In den 1920er-Jahren machte Max Jacob aus dem derben Jahrmarktskasper einen kleinen Schlingel mit großem Herzen, der gemeinsam mit Seppel, Großmutter & Co. die Bühne eroberte. Und damit wurde das kleine Hohnstein zu einem berühmten Ort des Puppenspiels.

Grund genug, mich an einem herrlich sonnigen Wintertag in Hohnstein auf die Spuren des berühmten Holzkopfes zu begeben – vom historischen Puppentheater über eine echte Schnitzwerkstatt bis zum Sonnenuntergang mit Burgblick.

Mein erster Stopp ist das Max-Jacob-Theater. Mit seinem Schieferdach und der markanten Holzarchitektur wirkt es auf den ersten Blick eher unscheinbar. Dabei steht hier das erste feste Theater der Welt, das eigens für das Handpuppenspiel erbaut wurde.

Namensgeber Max Jacob machte den Hohnsteiner Kasper in den 1920er- und 1930er-Jahren berühmt. Er verwandelte den derben Jahrmarktskasper in eine warmherzige, schlagfertige Figur, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeisterte. Die ausdrucksstarken Puppenköpfe schnitzte der Bildhauer Theo Eggink aus Lindenholz, die Kostüme entwarf Elisabeth Grünwaldt.

Heute ist das Theater weit mehr als ein Ort für Puppenspiele. Konzerte, Kabarett, Kino und Lesungen stehen ebenso auf dem Programm. Dass hier weiterhin Kultur stattfindet, ist vor allem dem ehrenamtlichen Engagement des Traditionsvereins Hohnsteiner Kasper e. V. zu verdanken.

Dass der Hohnsteiner Kasper keineswegs in Rente gegangen ist, zeigt sich ein paar Gassen weiter. In Kasper’s „Schnitzbude“ führt eine junge Schnitzerin das traditionsreiche Handwerk fort.

Hier entstehen aus Lindenholz noch immer jene unverwechselbaren Gesichter mit ihren verschmitzten Zügen. Statt industrieller Massenware gibt es echtes Handwerk, bei dem jeder Schnitt zählt. Und plötzlich schaut man so einem Holzkopf ganz anders ins Gesicht.

Zum Abschluss zieht es mich hinaus an die frische Winterluft. Ich folge dem Hohnsteiner Kasperpfad durch Hohnstein und genieße die Ausblicke auf die Burg, die hoch über dem Ort thront.

Gerade im Winter hat dieser Spaziergang seinen Reiz. Die tief stehende Sonne taucht die Burg und die Dächer Hohnsteins in warmes Licht, während die Schatten in den Gassen immer länger werden. Ein schöner Kontrast zu den Geschichten und geschnitzten Gesichtern, die mich durch den Tag begleitet haben.

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