Genuss und Wandern gehen in der Sächsischen Schweiz seit jeher gemeinsame Wege. Jetzt gibt´s dafür ein neues Angebot – die BrotZeitTour. Eine kulinarischer Kurztripp zum Katzstein.

Als August der Starke 1708 auf den Lilienstein stieg, ließ er vorher extra Stufen in den Fels schlagen. Vielleicht war der Berg einfach zu steil für den Kurfürsten, der für seinen unbändigen Appetit und ausschweifenden Lebensstil bekannt war und dazumal 120 Kilo auf die Waage brachte. Weil er zudem auch in anderen Bereichen keinerlei Maß kannte und als Stammvater zahlreicher Familienlinien im Raum Dresden gilt, hinterließ er den Sachsen womöglich seinen Hang zum Genuss als genetisches Erbe. Das würde erklären, warum im Elbsandsteingebirge Wandern und Kulinarik seit jeher gemeinsame Wege gehen.

So auch in unserem Fall: Wir wollen nicht auf den Lilienstein, sondern zum Katzstein – einem eher stillen Aussichtspunkt im linkselbischen Teil des Gebirges, wo die Abstände zwischen den Wanderkneipen deutlich größer sind als die zwischen den Tafelbergen. Aber am leiblichen Wohl soll´s trotzdem nicht fehlen. Kristin Arnold hat alles, was wir dafür brauchen, im Rucksack verpackt: verschiedene Sorten Käse, Salami und Knacker, Obst, Brot und leckere Aufstriche – sogar Kuchen. Was wir vorhaben, nennt die junge Frau schlicht „die köstlichste Art die Sächsische Schweiz zu erleben“. Eine geführte Genusswanderung mit allem Drum und Dran. Das Angebot ist neu im Elbsandstein – und Initiatorin Kristin Arnold hat sich dafür einen passenden Namen ausgedacht: BrotZeitTour. Doch bevor es an die Details und den Inhalt ihres Rucksacks geht, müssen wir uns erstmal ein Stück bewegen.

Das Wetter sieht gut aus für Anfang März, über Cunnersdorf lacht die Sonne, nur im Westen stehen ein paar bleigraue Wolken. Wir machen uns zu fünft auf den Weg Richtung Süden – die Alte Rosenthaler Straße bergauf in den Wald. Kaum sind wir ins Fichtendickicht eingetaucht, überrascht uns plötzlich der Winter. Der Himmel wird mit einem Schlag dunkel und zieht sich zu, dichtes Schneetreiben setzt ein und vernebelt uns die Sicht. Nach einer halben Stunde stehen wir wie blind an unserem ersten Etappenziel – auf dem Gipfel des Spitzsteins – und können bloß raten, wo in dem Flockenwirbel die benachbarten Tafelberge zu suchen sind. Wir steigen wieder ab und wandern ein bisschen enttäuscht weiter bis zum Spitzstein-Biwak. Dort, so wird uns versprochen, gibt´s eine genüssliche Entschädigung.

Das Picknick ist einfach, aber lecker! Hafervollkornbrot mit mediteranem Frischkäse, dazu Apfelpunsch. August der Starke wäre davon vielleicht nicht satt geworden, aber beklagt hätte er sich auch nicht. Alle Zutaten kommen ganz frisch von regionalen Erzeugern aus der Sächsischen Schweiz – das ist Standard bei der BrotZeitTour. Die familiengeführte Hofmolkerei aus dem Nachbarort. Der Bäcker um die Ecke. Die nächstgelegene Apfelplantage. Regional liegt im Trend, sagt Kristin Arnold – und packt die olivgrüne Dose mit den Appetithäppchen viel zu schnell zurück in den Rucksack. Weiter geht´s zum Schneebergblick.

Die Aussicht auf der Südseite des Katzsteins gehört zu den schönsten im Elbsandsteingebirge: 180 Grad freie Sicht – von der Schrammsteinkette bis zum Hohen Schneeberg. Direkt gegenüber, im Osten, hat man die langgestreckten Rücken der beiden Zschirnsteine wie ein mächtiges Tablett vor sich liegen. Der Wald erstreckt sich bis zum Horizont. Man tritt wie auf einen Balkon und hat nichts als verschneite Wipfel unter sich. Ein Platz wie geschaffen für unsere zweite Brotzeit.

Aus dem Rucksack kommen allerlei Wurst- und Käsehäppchen zum Vorschein, dazu verschiedene Aufstriche, Apfelscheiben und Punsch. Während uns das Wasser im Mund zusammenläuft, verwandelt sich das blanke Tischbrett in der Schutzhütte im Handumdrehen in ein farbenfrohes kaltes Buffet. Das räumen wir dann freilich auch genauso schnell wieder ab – schließlich hat der Aufstieg durchs verschneite Pechloch jeden ein paar Kalorien gekostet. Und während wir genüsslich die Batterie wieder aufladen, erzählt uns Kristin Arnold ihre Geschichte. Sie beginnt mit einem Tourismus-Studium in Sachsen, geht dann raus in die Welt und kehrt nach Zwischenstationen auf Kreuzfahrtschiffen und bei Busreiseagenturen im US-Bundestaat Kalifornien wieder zurück in die Heimat. Irgendwann kommt der Wunsch, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen – und die junge Frau entdeckt eine Lücke im touristischen Angebot der Region. Die Chance, die sich jeder Gründer wünscht. Die Idee für die BrotZeitTour ist geboren.

Vom Schneebergblick wandern wir über das bewaldete Plateau des Katzsteins nordwärts zur Signal-Aussicht – vorbei am Katzfels, dem vermutlich kleinsten Aussichtspunkt der Sächsischen Schweiz. Eine schmale Leiter führt zum Gipfel des Sandsteingebildes hinauf. Oben bietet eine winzige eiserne Plattform einen herrlichen Blick in die Runde. Seinen
Namen verdankt der Felsen wohl weniger seiner eigentümlichen Form – als vielmehr den Wildkatzen, die früher in den umliegenden Wäldern zu Hause waren, erklärt unsere Führerin. Inzwischen sind wir gut drei Stunden unterwegs, der Nachmittag neigt sich dem Abend zu und es wird merklich dunkler im Unterholz. Die Signal-Aussicht – eine ehemalige Waldbrandwarte der Cunnersdorfer Försterei – ist unser letzter Stopp vor dem Abstieg.

Zuvor gibt´s noch eine kleine Überraschung aus Kristin Arnolds Rucksack: eine Scheibe süßes Osterbrot und eine Handvoll Mini-Sandtaler. Spätestens jetzt hätte auch August der Starke die BrotZeitTour gut gefunden. Denn der Monarch war keineswegs nur den fleischlichen Genüssen zugetan, sondern soll obendrein ein ziemlich maßloser Süßigkeitenfreund gewesen sein. Er starb 1733 an Herzversagen.

BrotZeitTour – Regional.Wandern.Genießen
Geführte kulinarische Wanderungen durch die Sächsische Schweiz. Alle öffentlichen Touren sind auch exklusiv für Gruppen bis 20 Personen buchbar und können individuell angepasst werden.
Kontakt: Kristin Arnold – Tel. 0151 2685 1089
Infos zum Angebot: www.brotzeittour.de

Text und Bilder: Hertmut Landgraf

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