Ein Schloss, das Kopf steht, eine Schicksalsburg auf einem Vulkan, ein Gartenreich schön wie Versailles: Das sind einige der überraschendsten Ausflugsziele für Familien in der Sächsischen Schweiz und im Schlösserland Sachsen.
Verdrehte Welt
Mittelalterliche Burg, Adelssitz, heimliche Residenz des sächsischen Königshauses und Kunstversteck im Weltkrieg: Schloss Weesenstein, das sich auf einem Felssporn über dem verträumten Müglitztal erhebt, blickt auf 800 Jahre Geschichte zurück. Kurios ist sein Aufbau: Über die Jahrhunderte wurde die Anlage von oben nach unten erweitert. So kommt es, dass sich die Pferdeställe in der fünften Etage und der viel später erbaute klassizistische Wintergarten einige Stockwerke darunter befinden.

Mit einem Audioguide, der eine Extratour für Kinder bereithält, können Besucher Schloss Weesenstein auf eigene Faust erkunden. Bei Führungen werden die Besonderheiten der Anlage in den Fokus gerückt.
In den Sommer- und Herbstferien lädt das Schloss zum Ferienspaß für Königskinder ein. Beim Familientag im Oktober können Interessierte unter anderem erfahren, wie Prinzen das ABC lernten und die Königin auf die Toilette ging. Am ersten Advent wird traditionell die Weesensteiner Schlossweihnacht gefeiert.
Grand Trianon in Heidenau
Sich ein bisschen wie Prinzessin oder Prinz fühlen können die Kinder in der prächtigen, weitläufigen Anlage des Barockgartens Großsedlitz. Das märchenhafte Ensemble aus Orangerien, Wasserspielen, Skulpturen, Treppen und poetischen Gartenräumen ist einer der authentischsten Barockgärten Deutschlands. Es blieb wie durch ein Wunder fast 300 Jahre lang unverändert erhalten.
Französischer, italienischer und Dresdner Barock verschmelzen hier zu einem faszinierenden Gesamtkunstwerk. Einige der besten Baumeister und Bildhauer ihrer Zeit haben sich in Großsedlitz verewigt. Als Vorbild für die Anlage diente Schloss Versailles. Kurfürst August der Starke hatte es als 17jähriger bei einer Frankreichreise kennengelernt und wollte etwas Vergleichbares auch in Sachsen entstehen lassen. Als er sieben Jahre später Kurfürst wurde, bekam er die Gelegenheit dazu. Wobei verraten sein soll, dass die Anlage ursprünglich viel größer werden sollte und nur ein Drittel des ursprünglichen Plans umgesetzt wurde.

Die hier beheimatete kurfürstliche Sammlung von mehr als 1.000 Orangenbäumchen war weltberühmt. Heute sind es wieder etwa 130 Zitrusgewächse, die jeden Frühling aus den Orangerien auf die Terrasse zurückkehren. Jährlicher Höhepunkt sind die Zitrustage Ende Mai.
Schicksalsort Stolpen
Eine der berühmtesten Frauengestalten der sächsischen Geschichte ist sicher die Gräfin Cosel. Wer kennt nicht ihr tragisches Schicksal, ihren tiefen Fall von der einflussreichen Mätresse an der Seite des Kurfürsten bis zur inhaftierten Staatsfeindin. Als 36jährige wurde sie vom Dresdner Hof auf die abgelegene Burg Stolpen verbannt. Sie blieb ganze 49 Jahre dort bis zu ihrem Tod 1765.

Schönheit, Intelligenz, Ehrgeiz, Intrigen, Eifersucht, Affären, Stolz: Die Geschichte um Gräfin Cosel hat alle Zutaten für ein Drama. Im Johannisturm der Burg geht in authentischen Wohnräumen eine Ausstellung ihrem abenteuerlichen Leben nach. Doch Burg Stolpen, die auf dem Kegel eines erloschenen Vulkans errichtet wurde, hat noch weitere fesselnde Geschichten zu erzählen. Welche das sind? Das lässt sich bei einem Besuch leicht herausfinden.
Unsere Tipps
1. Ferienpass
Wer von Schlössern nicht genug bekommen kann, sollte sich unbedingt den Schlösser Ferienpass besorgen. Damit hat man beliebig oft Zutritt in die Schlösser, Burgen und Gärten. Und das Beste: 2 Kinder bis zu 16 Jahren dürfen kostenfrei mit. Den Ferienpass kann man hier erwerben.
2. Mehr erfahren bei einer Führung
Natürlich kann jedes Schloss auf eigene Faust erkundet werden. Manchmal ist es aber noch viel spannender, mit einem „Auskenner“ unterwegs zu sein, denn bekanntermaßen lernt man nie aus. Für alle Neugierigen empfehlen sich daher die Führungen im Schlösserland. Das gesamte Angebot dazu findet man hier.
3. Sommer, Sonne, Schlösserland
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, ein Schlösserland schon: zumindest ist das Erlebnisangebot so vielfältig, dass man jeden Ferientag etwas anderes unternehmen könnte – von der Tour mit dem Gartenmeister bis zur Blauen Stunde im Schloßpark, vom Picknick bis zum Mittelalterspektakel. Die Auswahl ist riesig. Ein Blick ins Angebot lohnt sich.
Text: Sebastian Thiel Fotos: Titel – Marko Förster, Weesenstein – Hans Fineart, Großsedlitz – Sylvio Dittrich, Stolpen – Yvonne Brückner

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