URLAUBSMAGAZIN Sächsische Schweiz 2026 www.saechsische-schweiz.de 47 MENSCHEN UND MACHER Der Pieper ruft aus dem Alltag ins Abenteuer. Bergrettung ist Ehrensache. Im Hauptberuf ist Michael Grötzschel, ein studierter Ingenieur, Kalibrierstellenleiter in Dresden. Schon seit 30 Jahren lebt er das Doppelleben als Bergretter. Seine 54 Kollegen bei der Bergwacht Bad Schandau, von denen 26 aktive Retter sind, kommen aus den unterschiedlichsten Professionen: Ärzte, Sanitär- und Heizungstechniker – sogar ein Bürgermeister ist dabei. Hinzu kommen acht Anwärter – eine Ärztin, zwei Feuerwehrleute, ein Höhenretter, eine Notfallsanitäterin, ein Azubi und zwei Schülerinnen der zehnten Klasse. Die Truppe ist bunt gemischt. Was sie teilen, ist ihre Leidenschaft für das Gebirge. Der Pieper ruft sie aus dem Alltag ins Abenteuer. Dann finden sie sich je nach Einsatzort in einer von zwei Wachen ein, streifen sich ihre Uniform über und fahren raus in die Berge. Dort angekommen, müssen sie Medizinrucksack, Luftrettungssack, Trage und Materialrucksack schleppen, Verletzte versorgen und abtransportieren sowie sich im Ernstfall von Felskanten abseilen oder vom Helikopter absetzen lassen. »Es ist schön, mit Leuten zu klettern, denen man vertrauen kann« »Am Anfang war ich noch aufgeregt, wenn der Pieper auf der Arbeit losging«, erinnert er sich, »doch irgendwann kommt die Routine« sagt Michael Grötzschel. Er hat eine typische Bergretterkarriere hinter sich: Schon im Kindesalter geht er gern wandern und klettern. Irgendwann fängt er an, sich auch für medizinische Hilfeleistung zu interessieren. Der Grund: »Es ist schön, mit Leuten zu klettern, die sich mit Rettung auskennen – denen man vertrauen kann«, so der heute 46-Jährige. Die Bergwacht ist der nächste logische Schritt. Seine Ausbildung bei der Bergwacht Bad Schandau fängt Michael Grötzschel 1997 an, mit 18 Jahren. Seit Januar 2025 ist er dort Bergwachtleiter. »Einen typischen Einsatz gibt es nie« Nicht immer geht es um Leben und Tod. Viele Einsätze sind weniger dramatisch. Einmal, erinnert sich Michael Grötzschel, hätten Wanderer Wasser aus der Kirnitzsch getrunken, was ihnen nicht gut bekommen war. Ein Kamerad schildert, wie er ein anderes Mal zwei verirrte Frauen per Telefongespräch den Berg nach unten gelotst habe. Und einmal, so Grötzschel, habe sich ein Familienvater mit zwei Töchtern verlaufen. Den Notruf gewählt habe er erst, als es schon stockduster war. »Einen typischen Einsatz gibt es nie«, betont der Bergwachtleiter. BERGRETTER WERDEN Aktuell hat die Bergwacht Bad Schandau acht Anwärter. Wer mitmachen will, muss klettern, im Team arbeiten und sich in der Sächsischen Schweiz orientieren können. Für Einsätze im Winter ist außerdem Ski-Erfahrung gefragt. Alles weitere lernt der Nachwuchs in einer vierjährigen Ausbildung. Übungen und Schulungen finden einmal monatlich statt. Infos unter www.bergwacht- badschandau.de Nichts für schwache Nerven: Rettungsübung am Gohrisch Marko Förster Leidenschaft für die Berge: Das steht für die meisten Bergretter am Anfang ihrer Karriere. Marko Förster
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