URLAUBSMAGAZIN Sächsische Schweiz 2026 www.saechsische-schweiz.de 15 FELS UND WALD Fauna DER UNSICHTBARE Im Elbsandsteingebirge lebt ein Tier, das die Fantasie der Menschen schon seit der Antike beflügelt. Es gehört zu den effektivsten Fallenstellern in der Natur. Gefährlich besonders für Ameisen. Bei Wanderungen durch die Sächsische Schweiz begegnen einem die Sand-Trichter oft am Wegesrand. Nur wenige wissen, was sie bedeuten. Hartmut Landgraf Steffen Elsner und Elisabeth Finger von der NLPFV. Sie ertasten die Käfer, um sie dann zu vermessen. Hartmut Landgraf Herodot hätte uns gewarnt. Um 430 v. Chr. beschreibt der griechische Geschichtsschreiber den Ameisenlöwen als groß und bösartig – eine Art Killerameise, größer als ein Fuchs. Er haust in Wüsten unter der Erde, hortet goldhaltigen Sand und frisst Menschen. In Wirklichkeit ist er ein daumennagelgroßes Insekt – gefährlich allein für Ameisen und andere kleine Geschöpfe. Weshalb wir uns bei einer Tour mit Nationalparkranger Steffen Elsner und seiner Kollegin Elisabeth Finger, die im Nationalpark ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr absolviert, ruhigen Gewissens mit äußerst leichten Waffen auf die Löwenjagd trauen: Plaste-Röhrchen, Löffel und Lineal. Gefährlich sieht er wirklich aus – unter der Lupe! Kompakt gebaut wie ein kleiner Panzer, über und über mit Borsten bedeckt und mit zwei kolossalen Gift-Zangen bewaffnet, mit denen er seine Beute packt und betäubt. Was er damit zu fassen bekommt, ist dem Tod geweiht. Eigentlich ist der Ameisenlöwe nur die Larve eines libellenartigen Insekts – der Ameisenjungfer. Ein nachtaktives zartes Wesen, dünn wie ein Streichholz mit seidigen Flügeln und hübschen blauen Augen. Dass sie im Larvenstadium solches Interesse weckt, hat mit ihrer raffinierten Beutefangtechnik zu tun: Der Ameisenlöwe gräbt anderen eine Grube: einen faustgroßen Fangtrichter aus Sand. Die Wände sind so feinkörnig und glatt, dass Insekten daran ins Rutschen geraten – geradewegs ins Maul des Löwen, der am Grund der Falle lauert. Droht die Beute zu entkommen, bewirft er sie mit Sand – was eine Lawine auslöst, die das Opfer zurückrutschen lässt. Wir haben unser Ziel erreicht: einen Felsvorsprung an der Bastei. Im Sand sind deutliche Spuren zu sehen – dutzende Trichter. Elsners Kollegin greift sich den Löffel, ich stelle die Kamera scharf. Beherzt versenkt sie das Grabwerkzeug in der Mitte eines Trichters, der Aushub landet daneben auf einer violetten Matte. Ameisenlöwen sind sandfarben und daher in ihrem Trichter nur schwer zu erkennen. Nach einigem Herumstochern hat unsere Jagd schließlich Erfolg. Da sitzt es – Herodots Ungeheuer. // Hartmut Landgraf
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