Urlaubsmagazin Saechsische Schweiz 2026

URLAUBSMAGAZIN Sächsische Schweiz 2026 www.saechsische-schweiz.de 14 FELS UND WALD Flora DIE KÖNIGIN Die Weißtanne (Abies alba) gehört zu den höchsten Baumarten Europas. Einst war sie auch in der Sächsischen Schweiz weit verbreitet. Jetzt erlebt sie ein Comeback als wichtiger Baum für klimastabile Mischwälder. Frank Wagner, Nationalpark- und Forstverwaltung Sächsische Schweiz Oh, Tannenbaum! 500 Jahre alt und mehr als 60 Meter hoch kann die Weißtanne, die einzige in Deutschland heimische Tannenart, werden. Anfang des 19. Jahrhunderts, als die bekannte weihnachtliche Ode an den majestätischen Waldbaum entstand, war er im südlichen Deutschland noch weit verbreitet. Dann begann sein stiller Rückzug. Veränderte Forstwirtschaft, Luftverschmutzung, Wildverbiss und Übernutzung brachten die Art in Bedrängnis. Bis heute ist das Verschwinden der Tanne von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt geblieben, weil ihr die Fichten, die vielerorts ihren Platz eingenommen haben, zum Verwechseln ähnlich sehen. Auch die vermeintlichen Tannenzapfen, die im Wald liegen, sind fast immer die Zapfen anderer Nadelbäume. Tannenzapfen zerfallen am Baum. Nach negativen Erfahrungen mit anfälligen Fichtenmonokulturen entdeckte die Forstwirtschaft Ende des 20. Jahrhunderts den Wert der robusten Weißtanne wieder. »Ihre Pfahlwurzel macht sie sehr sturm- und trockenheitsresistent«, sagt Frank Wagner, Revierleiter des Nationalparkreviers Hohnstein. Erstaunlich sei auch ihre Fähigkeit, im Schatten zu überdauern. Sie kann bis zu 150 Jahre unter dem Schirm anderer Bäume warten und fängt erst dann richtig an zu wachsen, wenn der Altbaum gefallen ist. Im Nationalpark Sächsische Schweiz laufen die Wiederansiedlungsmaßnahmen seit den 1990er Jahren. Dafür klettern Waldarbeiter aller drei bis vier Jahre bis in die etwa 30 Meter hohen Kronen alter Weißtannen im Polenztal, um die Zapfen mit den wertvollen Samen zu ernten. Wenn die angezogenen Sämlinge etwa zwei Jahre alt sind, werden sie im Wald eingepflanzt. »Weißtannen sollen in wenigen Jahren wieder drei bis vier Prozent des Nationalparkwaldes, etwa 300 Hektar ausmachen«, erklärt Wagner. Die Weißtanne ist übrigens nie vollständig aus der Region verschwunden. Im Nationalpark gibt es mit 1413 Exemplaren den größten Alttannenbestand in Sachsen. Ein besonders bedeutendes Vorkommen ist unter anderem im Polenztal zwischen Waltersdorfer Mühle und Gasthaus zum Polenztal zu finden. Die größte Weißtanne der Region steht an der Hohwiese, südöstlich von Hinterhermsdorf. Sie ist 35 Meter hoch, vermutlich mehr als 250 Jahre alt und hat einen Stammdurchmesser von 95 Zentimetern. »Die Weißtanne ist eine Schönheit unter den Nadelbäumen – und Exemplare wie dieses bringen einen zum Staunen«, so Wagner. //

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