URLAUBSMAGAZIN Sächsische Schweiz 2026 www.saechsische-schweiz.de 100 KUNST UND KULTUR Ein großer Strauß Gartenblumen steht auf dem Beistelltisch neben dem Sofa. Alles wirkt gepflegt und wohnlich – stilvoll, kultiviert aber nicht prätentiös. Das Haus eines Kunstprofessors. Die Kerzen auf der Kommode sehen aus, als hätten sie gestern Abend noch gebrannt. Doch Robert und Helene Sterl haben schon lange nicht mehr in ihrem gemütlichen Wohnzimmer mit Blick ins Grüne gesessen. Robert Sterl ist bereits 1932 von Krankheit gezeichnet gestorben. Seine geliebte Ehefrau folgte ihm 18 Jahre später. Ein Jahr vor seinem Tod legten beide in einem gemeinsamen Testament fest, dass ihr Eigentum in eine Stiftung übergehen und ihr Haus mittellosen Kunststudenten als Ort zum Arbeiten zur Verfügung gestellt werden soll. So blieb ein einzigartiges Kleinod für die Nachwelt erhalten: ein Künstlerwohnhaus des frühen 20. Jahrhunderts mit allem Interieur, kompletter Bibliothek, Kunstwerken, Erinnerungsstücken und einem zauberhaften Garten. »Mindestens ein Viertel der Besucher sagen: ›Ach, wir wussten gar nicht, dass es hier so etwas gibt‹«, verrät uns Museumsleiterin Juliane Gatomski. Robert Sterl sei oft gänzlich unbekannt. Viele kommen beim Wandern auf dem Malerweg eher zufällig hier vorbei oder holen sich den Stempel für den Wanderpass ab. Es gibt aber auch echte Fans. »Manche Robert-Sterl-Kenner nehmen weite Reisen auf sich, um hier zu sein. Einige kommen immer wieder.« Der große Unbekannte Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen Max Slevogt, Lovis Corinth oder Max Liebermann – ganz zu schweigen von den französischen Impressionisten – ist Robert Sterl wenig bekannt. Das ist erstaunlich. Immerhin hat er ein eindrucksvolles und umfangreiches Werk hinterlassen. Horst Zimmermann, Gründungsdirektor der Kunsthalle Rostock, hat in den 1970er Jahren für sein Werksverzeichnis mehrere Jahre geforscht und in Sammlungen und Museen mehr als 1.000 Gemälde und Ölstudien Sterls ausfindig gemacht. Im Depot des Robert-Sterl-Hauses liegen außerdem mehr als 2.000 Zeichnungen, 100 Skizzenbücher, 140 Druckgrafiken und 2.000 Briefe. Max Liebermann schrieb über Sterl, er sei ein »wahrhaftiger Künstler« und »Seine Bilder sind gesehen, erschaut und erlebt.« Außerdem war Sterl nicht nur Professor an der Königlichen Akademie der bildenden Künste zu Dresden, Mitglied der einflussreichen Künstlergruppe »Die Zunft«, sondern seinerzeit auch der gefragteste Porträtist in der High-Society der Stadt. Vielleicht war es die Bescheidenheit des Malers, den der deutsche Kunsthistoriker Will Grohmann als »zurückgezogen, fast scheu« beschreibt, der einen größeren Rummel um seine Person verhinderte. Die Einrichtung ist original erhalten geblieben. Marko Förster Das Robert-Sterl-Haus im Struppener Ortsteil Naundorf Britta Prema
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