Urlaubsmagazin Sächsische Schweiz

URLAUBSMAGAZIN Sächsische Schweiz 2025 www.saechsische-schweiz.de 78 FELSENWINTER Das muss die berühmte Böhmische Suppe sein! Nebel zieht plötzlich über uns hinweg, als wir an diesem Spätwintermorgen in Bad Schandau auf dem Fähranleger stehen. »Böhmische Suppe«, so nennen die Einheimischen die Nebelbänke, die hier häufig das Elbtal hinaufziehen. Für uns ist die Szene heute das perfekte Startbild für unsere Tour durch das Tal, von dem man sagt, es sei das romantischste der Sächsischen Schweiz: das Kirnitzschtal. »Rundweg Lichtenhain« heißt unser heutiges Projekt in der offiziellen Winterwanderkarte des Tourismusverbandes Sächsische Schweiz. Lichtenhainer Wasserfall, Neuer Wildenstein mit dem berühmten Felsentor Kuhstall, der kaum bekannte Großstein sowie Ottendorf und Lichtenhain sind die Wegmarken. Vier Stunden Wanderzeit sind für die 14 Kilometer lange Runde veranschlagt. Unterwegs mit der rollenden Legende Natürlich fahren wir mit der Kirnitzschtalbahn zum Ausgangspunkt. Die Bahn mit den leuchtend gelben Wagen ist eine rollende Legende! Mit nur einer Linie ist es nicht nur der kleinste Straßenbahnbetrieb der Republik, sondern auch die einzige Straßenbahn weltweit, die in einen Nationalpark einfährt! Sogar Hollywood hat sie schon für sich entdeckt. Die tiefstehende Wintermorgensonne taucht unseren holzvertäfelten Waggon, in dem die Zeit irgendwann in den 1970er Jahren stehen geblieben zu sein scheint, in warmgelbes Licht. Es lässt sich wunderbar träumen bei der etwa halbstündigen Fahrt von Endhaltestelle zu Endhaltestelle, beim Blick auf die Kirnitzsch, die mal nah neben den Gleisen, mal weit entfernt hinter einer Wiese mit Schneeglöckchen in der Sonne glitzert. Immer wieder müssen wir über das resolute Klingeln schmunzeln, das an jeder Haltestelle die Weiterfahrt ankündigt. Auf einer malerisch bemoosten Steinbrücke überqueren wir den glasklaren Fluss Lichtenhainer Wasserfall, Endhaltestelle. Ab hier geht es zu Fuß weiter. Der Fahrer, der in Personalunion auch Schaffner und Rangierer ist, koppelt den Triebwagen mit geübten Handgriffen ab und am anderen Ende des kurzen Zuges wieder an. Es ist ein Ritual, dass sich täglich mehrmals wiederholt, an jeder der beiden Endhaltestellen, seit über 100 Jahren. Auf einer malerisch bemoosten Steinbrücke überqueren wir den glasklaren Fluss. Hier, auf der Schattenseite des Tales, ist der Morgen noch kühl und feucht. Der Weg führt bergauf durch den Wald zum Neuen Wildenstein. Erstes Wanderziel ist das Felsentor »Kuhstall«. Es ist seit 200 Jahren eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Sächsischen Schweiz. Doch außer uns hat sich heute nur eine Handvoll Wanderer hierher verirrt. Respekteinflößend hängen Tausende Tonnen Gestein als Gewölbe etwa zehn Meter über uns, als wir durch das Felsentor wie durch das Portal einer Kathedrale in das gleißende Sonnenlicht auf der anderen Seite des Berges schreiten. Hier bietet sich uns das erste Panorama des Tages: die Hintere Sächsische Schweiz mit ihren unzähligen Hügeln und knubbeligen Gipfeln. Auf der Himmelsleiter zu den Raubrittern Über die »Himmelsleiter«, eine Treppe in einer engen Felsspalte, geht es noch weiter hinauf – dorthin, wo vor 600 Jahren die Burg des einst stolzen böhmischen Adelsgeschlechtes der Berka von der Dubá stand. Die Geschichte hat es nicht gut gemeint mit den einstigen Burgherren. Zuletzt traten sie gegen Ende des Mittelalters in der Region als Raubritter in Erscheinung. Dann wurde ihre Burg zerstört. Geblieben ist ein romantisches Felsplateau mit uralten Bäumen und einem traumhaften 180-Grad-Blick. Auch das »Schneiderloch«, eine kleine Höhle mit natürlichem Aussichtsbalkon, suchen und finden wir. Überhaupt lädt der verwinkelte Gipfel des Neuen Wildensteins zum Kraxeln und Erkunden ein. Perfekt für Felsentor Kuhstall

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