Urlaubsmagazin Sächsische Schweiz

URLAUBSMAGAZIN Sächsische Schweiz 2025 www.saechsische-schweiz.de 16 NATURWUNDER Wäre sie nicht so beschäftigt, könnte sich die Wasseramsel über ihr schönes Zuhause freuen. An der Polenz hat sie sich eingenistet, in einem der schönsten Elbsandsteintäler. Direkt vor ihrem neuen Domizil rauscht der Fluss glucksend und schäumend vor Kraft zwischen moosgrünen Felsen, mächtigen Buchen, Fichten und Tannen dahin, zerrt übermütig an welken Brombeerranken, wäscht altes Laub vom Ufer fort. Anfang März wird es lebendig im Polenztal. In der Natur beginnt ein Wettstreit um die besten Brut- und Futterplätze. Die Wasseramsel muss sich mit dem Nestbau sputen. Unruhig hüpft der Piepmatz am Bachufer herum, hält kurz inne mit schräg gelegtem Kopf, als würde er auf etwas lauschen, taucht dann wie ein Blitz ins Wasser, bleibt spurlos verschwunden, um nach einer kleinen Ewigkeit plötzlich ganz woanders wieder aufzutauchen – den Schnabel voll mit dünnen Zweigen und anderem Baumaterial. Unter Wasser wuselt die Amsel genauso emsig wie am Ufer. Sie spaziert auf dem Grund des Baches, auf der Suche nach Larven und anderen interessanten Dingen, manchmal dreht sie dabei sogar kleine Steine um. Dafür stellt sie ihr Schwanzgefieder so gegen die Strömung, dass sie vom Wasser nach unten gedrückt wird. 60 Gramm Lebendgewicht gegen einen reißenden Gebirgsfluss! Die Nationalparkwacht hat den Bestand der Wasseramseln fest im Blick. Im Nationalpark waren es zuletzt 20 bis 25 Brutpaare jährlich, in der ganzen Sächsischen Schweiz etwa 45. Unauffällig wie ein Moosballen klebt das Nest der Wasseramsel an einer grün bepelzten Felswand, knapp einen Meter über der Polenz. Schon bald wird sie zu brüten beginnen. Gut einen halben Monat lang sitzt das Weibchen dann auf dem Gelege, fleißig mitversorgt vom Männchen, das in den Morgen- und Nachmittagsstunden pfeilgeschwind mit bis zu 50 Kilometern pro Stunde über den Fluss schwirrt und nach Beute jagt. Sind die Jungen erst geschlüpft, dauert es noch etwa 20 Tage, bis sie das Nest verlassen. Für die Amsel vergeht der Frühling wie im Flug. // Hartmut Landgraf Im Gegensatz zu den meisten Singvögeln ist die Wasseramsel ein ausgezeichneter Taucher. In vielen Kulturen wird sie als Symbol für Reinheit und unberührte Natur angesehen. Auch in der Sächsischen Schweiz ist das faszinierende Tier zuhause. Fauna DER WUNDERVOGEL Gut getarnt: das Nest einer Wasseramsel am Sandstein Hartmut Landgraf An Land genauso daheim wie im Wasser: die Wasseramsel Tobias Richter

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