URLAUBSMAGAZIN

URLAUBSMAGAZIN Sächsische Schweiz 2024 www.saechsische-schweiz.de 81 WINTER Sandsteinbrocken und Baumstämme säumen den Pfad. An einigen Stellen ist der Weg auf gesamter Breite so vereist, dass wir jetzt tatsächlich auf die mitgebrachten Grödel zurückgreifen. Mit wenigen Handgriffen sind sie über die Sohlen gezogen. Die Expedition kann weitergehen. Unterhalb der Burg Hohnstein passieren wir die Reste einer einst mächtigen Sperrmauer des ehemaligen Bärengartens. Die mit Efeu bewachsene Ruine, durch die ein Bach plätschert, steht so perfekt schauerromantisch zwischen den Hängen, als warte sie nur darauf, in einer Vollmondnacht von Caspar David Friedrich gemalt zu werden. Ein Abstecher führt uns zur Gautschgrotte. Nun stehen wir also hier vor diesem imposanten, wagneresken Gebilde, schauen hinauf und halten die Hand in das herabregende Wasser. Ganz selten, in besonders strengen Wintern, bildet sich hier eine 20 Meter hohe Eissäule. Es muss ein beeindruckender Anblick sein. Wenig später, oben, in Hohnstein, hat uns die Nachmittagssonne, die Zivilisation und die ursprüngliche Route wieder. Grundschulkinder gehen mit sperrigen Basteleien aus Pappe zur Bushaltestelle oder zum Elterntaxi. Hübsch und friedlich liegt die Stadt vor uns – mit der Burg, dem gelben Barocktürmchen der George-Bähr-Kirche und dem Wartenberg im Hintergrund. »Brand, Gasthaus, 20 Minuten«, motiviert der Wegweiser. Und als wir exakt 20 Minuten später dort, auf dem »Balkon der Sächsischen Schweiz«, ankommen, bietet sich uns das perfekte Schlussbild unserer Tour: ein 180-Grad-Panorama mit Polenztal, Feldern, Wäldern, Dörfern und den kuriosen Silhouetten der Tafelberge am Horizont. Das goldene Abendlicht flutet durch die bodentiefen Fenster den mollig warmen und um diese Zeit fast leeren Gastraum der Brandbaude. Im grünen Kachelofen lodert ein Feuer. Nur ein einzelnes, Englisch sprechendes Pärchen genießt ganz vorn am Fenster ein zeitiges Abendessen. Doch nach dem Schlussbild kommt für uns noch ein kleiner Epilog: Die etwa 800 Brandstufen hinab ins Tal und der Weg zurück zum Ausgangspunkt. Die untergehende Sonne lässt die Gipfel der Felsen über uns noch einmal orange leuchten, während aus dem Tiefen Grund die Dämmerung heraufsteigt. Uns fällt auf, wie still es um uns geworden ist. Und wie aufs Stichwort, rundet ein über uns hinwegfliegender Kolkrabe mit seinem sanften und wissenden »kroak kroak« die Szene ab. Im Tiefen Grund angekommen, hören wir endlich wieder das Geräusch des Tages, ein Geräusch, dass wir seit Hohnstein nicht mehr gehört hatten: das Rauschen von Wasser. Waitzdorfer Bach und Polenz begleiten uns zurück nach Porschdorf – gerade rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit. // Sebastian Thiel ZUM NACHWANDERN Der Polenztalweg ist eine von 40 Winterwanderrouten inklusive Einkehr, die in der offiziellen Winterwanderkarte Sächsische Schweiz vorgestellt werden. Der Abzweig durch den Schindergraben ist eine anspruchsvolle Variante für Abenteuerlustige. Die Winterwanderkarte ist in den Touristinformationen in der Region oder unter shop.saechsische-schweiz.de erhältlich.

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