URLAUBSMAGAZIN Sächsische Schweiz 2026 www.saechsische-schweiz.de 57 KIDS UND TEENS Der Schweizer Landschaftszeichner Adrian Zingg (1734 – 1816) dürfte mit Stolz auf seine Skizzen geblickt haben. Von allen vier Himmelsrichtungen brachte er die Festung Königstein am 30. August 1766 mit höchster Genauigkeit aufs Papier. Damit schuf er einige der frühesten bildlichen Zeugnisse des Bollwerks. Was der Künstler nicht wusste: Er hatte Verbotenes getan! Die Festung Königstein, auf einem Tafelberg hoch über dem Elbtal gelegen, war eben nicht nur schön anzusehen. Sie stellte eine intakte Wehranlage dar, die erst kurz zuvor im Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763) der einzige Ort in Sachsen war, der sich standhaft gegen seine Feinde gezeigt hatte. So wachten die Militärs auf dem Königstein drei Jahre danach immer noch streng über die Einhaltung der Vorschriften. Zeichnungen von Festungswerken konnten Feinden wertvolle Informationen über die Verwundbarkeit des Königsteins liefern. Eine staatliche Genehmigung konnte Zingg nicht vorweisen. Und seine Beteuerungen, dass er Lehrer an der Dresdner Kunstakademie sei und seine Zeichnungen aus künstlerischem Interesse entstanden wären, halfen ihm wenig. Er wurde abgeführt, seine Arbeiten beschlagnahmt. Ab 1768 erhielt Zingg schließlich eine kurfürstliche Sondererlaubnis für seine ANZEIGE Nicht zu übersehen und doch geheim: Wer vor 200 Jahren unerlaubt die Festung Königstein künstlerisch festhalten wollte, riskierte harte Strafen – im schlimmsten Fall sogar eine Haftstrafe. Doch warum war das Zeichnen der Bergfestung einst streng verboten? Festung Königstein – so groß wie 13 Fußballfelder Thomas Eichberg Major Tom Luftbilder Blick in die Ausstellung »Entlang der Elbe« Marko Förster AUSSTELLUNG »Entlang der Elbe – Das alte Sachsen in Gemälden aus der Sammlung Wolfgang Donath« Gemäldeschau auf der Festung Königstein 07.01. – 30.01.2026 sowie 28.03. – 01.11.2026 www.festung-koenigstein.de Maler der Festung Königstein Arbeit im Elbsandsteingebirge. Die Festung Königstein blieb jedoch ausdrücklich davon ausgenommen. »Selbst Caspar David Friedrich durfte Jahrzehnte später zwar die Sächsische Schweiz darstellen, jedoch war der Königstein hiervon ebenfalls ausgenommen«, erklärt der Museologe Andrej Pawluschkow. Und doch – sei es aus künstlerischer Faszination oder trotziger Neugier – machten zahlreiche Maler die Anlage durch ihre Werke weltweit berühmt. Heute sind Adrian Zinggs Ansichten sicher verwahrt – und zwar auf der Festung Königstein. Und mit ihnen weitere Kunstwerke. Eine neue Sammlung ergänzt mittlerweile den reichen Bilderschatz. In der aktuellen Sonderausstellung »Entlang der Elbe – Das alte Sachsen in Gemälden aus der Sammlung Wolfgang Donath« präsentiert die Bergfestung einen Teil davon. Sachsens bekannteste Festung in Öl auf Leinwand: Franz Wilhelm Leuteritz (1817 – 1902) malte sie 1878. War er von Zinggs Werken beeinflusst? Zu sehen ist das Bild in einer Sonderausstellung auf der Festung Königstein. Marko Förster VERBOTENE KUNST
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