URLAUBSMAGAZIN Sächsische Schweiz 2023 www.saechsische-schweiz.de 102 KULTUR KONTAKT Barockgarten Großsedlitz Parkstraße 85 01809 Heidenau Öffnungszeiten und Eintrittspreise unter www.barockgartengrosssedlitz.de Ermäßigung für Inhaber der Gästekarte Sächsische Schweiz Gut geführt durch Schlösser und Burgen FLANIEREN UND STAUNEN Witzige Anekdoten und unglaubliche Geschichten: Wer die Schlösser, Burgen und Gärten der Sächsischen Schweiz mit einem erfahrenen Gästeführer erkundet, nimmt einen besonderen Wissensschatz mit nach Hause. Reichsgraf August Christoph von Wackerbarth schreitet vom Oberen Orangerieparterre zwischen den Fontänen hindurch nach vorn zur Balustrade. Mit einer großen anmutigen Armbewegung richtet er die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer auf den Ausblick von hier oben. »Was für ein Wow-Effekt«, sagt er. Unterhalb liegen die nicht fertig gestellten Wasserstufen des Barockgartens Großsedlitz. Dahinter, am Ende der Sichtachse durch die Waldkaskade, erheben sich die Berge der Sächsisch-Böhmischen Schweiz. »Im 18. Jahrhundert, als die Bäume noch nicht so hoch waren, konnte man bis nach Dresden, ins Erzgebirge, in die Lausitz und ins Böhmische schauen.« Graf von Wackerbarth heißt im richtigen Leben Uwe Müller. Einmal im Monat aber setzt sich der Historiendarsteller vom Verein Augustus Rex für die Führung im Barockgarten Großsedlitz oberhalb von Pirna die lang gelockte Perücke auf, zieht den edlen knielangen Mantel, ein Justaucorps, über das seidig- glänzende Gilet, schlüpft in schwarze Kniebundhosen und wadenhohe Strümpfe. Um den Hals trägt er eine weiße, in Falten geworfene Krawatte, die eine glitzernde Agraffe, eine Art Brosche, schmückt. So wandelt er mit seinen Gästen wie es einst Graf von Wackerbarth (1662–1734) mit höfischer Gesellschaft getan haben könnte durch den Barockgarten Großsedlitz. Es ist das eindrucksvollste Beispiel französischer Gartenbaukunst in Sachsen. 1719 ließ Graf von Wackerbarth, damals Bauminister unter Kurfürst August dem Starken (1670–1733), hier seinen Alterssitz bauen. Uwe Müller zeigt in der Oberen Orangerie auf ein Gemälde von Johann Alexander Thiele: »Hier sieht man wie Wackerbarths Alterssitz mit Schloss, Balustrade, Gartenhaus und Küchengarten ausgesehen hat«, sagt er. »Dann kam August der Starke hierher und fand das unglaublich toll.« 1723 kaufte der Kurfürst das Schloss und den Garten ab, um daraus ein sächsisches Versailles zu schaffen. In den Folgejahren wurde der Garten umgebaut, blieb jedoch unvollendet, da dem Monarch das Geld fehlte. 1727 feierte August der Starke hier erstmals das Fest des Polnischen Weißen Adlerordens, bei dem er polnisch-litauische und sächsische Adlige auszeichnete. Für die Zeremonie hatte er 21 Minuten Zeit. »Danach war das Wasserbecken, das die Fontänen speiste, leer«, erzählt Uwe Müller und zeigt die Abbildung eines Wasserturms, der das Das sächsische Versailles: Barockgarten Großsedlitz Marko Förster Barockgarten Großsedlitz: unterwegs mit Graf vonWackerbarth
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