Die Sächsische Schweiz war schon früh Anziehungspunkt für kreative Köpfe. Bekannte Werke wurde von ihrer Landschaft inspiriert, darunter Gemälde und Zeichnungen von Caspar David Friedrich oder Stücke Richard Wagners. Doch nicht nur die Kunst fand im Elbsandsteingebirge einen Ort zum Schaffen neuer Ideen, auch Erfinder haben hier gelebt.

Einer von ihnen, Friedrich Gottlob Keller, ließ sich im 19. Jahrhundert in Krippen nieder. Der 1816 im sächsischen Hainichen bei Chemnitz geborene Erfinder entwickelte ein Verfahren zur Papierherstellung mithilfe des Holzschliffs, ein Verfahren, das auch heute noch Anwendung findet und als Grundlage für die industrielle Großproduktion von Papier genutzt wird.

Erste Anfänge

Keller war von klein auf von der Mechanik begeistert, musste sich jedoch dem Willen seiner Eltern beugen und das Weber- und Blattbinderhandwerk erlernen. Sein Beruf füllte ihn nicht aus, er war stets auf der Suche nach neuen Ideen und Erfindungen, insbesondere um Verbesserungen und Innovationen technische-mechanischer Vorgänge. So hat er sich z.B. mit Telegrafie, landwirtschaftlichen Geräten und einem Wasserhebungsapparat auseinandergesetzt.

Die Erfindung des Holzschliffs

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Papier aus Hadern, d.h. Textillumpen aus Leinen, Hanf oder Baumwolle, die mit Spinnerei- und Seilereiabfällen gemischt wurden, hergestellt. Lumpensammler fuhren seit dem Mittelalter durch die Ortschaften und kauften zerrissene Stoffe auf und verkauften sie wiederum an Papiermühlen. Jedoch stieß diese Herstellungsvariante bereits um 1700 an ihre Grenzen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stieg die Nachfrage nach Papier, das für das stark wachsende Zeitungswesen, für Kartonagen, Verpackungen etc. gebraucht wurde.

Keller hatte 1841/42 die Idee „Papier zu fertigen, von Holzfasern, welche durch Friction erzeugt werden“, wobei er sich an Wespennester erinnerte. Diese bestehen aus einer papierartigen Masse, die auf morschem, trockenen Holz basiert, das von den Wespen zuvor zerkaut wurde. Im Dezember 1843 war es soweit und Keller Erfindung fertig: der Holzschliff,  hergestellt aus einer Mischung von feingeschliffenem Holz und Lumpen. Dabei wird Holz auf einem Schleifstein in Faserquerrichtung mit Wasser zu Holzschliff verarbeitet. Es dauerte noch zweieinhalb Jahre bis er das Verfahren mithilfe von drei Holzschleifermaschinen verfeinerte.

1846 musste er sein Patent zur Papierherstellung an Heinrich Voelter verkaufen. Der vorherige Erwerb einer Papiermühle im Erzgebirge und der Versuch, aus seiner Erfindung Kapital zu machen, scheiterten sowohl am Mangel kaufmännischer Fähigkeiten und unzureichendem Eigenkapital. Zudem wurden Teile der Mühle durch ein Hochwasser zerstört. Voelter entwickelte das Holzschliffverfahren weiter und konnte es für die industrielle Großproduktion von Papier einsetzen.

Übersiedlung in die Sächsische Schweiz

Wohnhaus von Keller in Krippen (c) Norbert Kaiser - wikipedia.orgSeit 1853 wohnte Keller in Krippen, einem heutigen Ortsteil von Bad Schandau, und arbeitete dort als Mechaniker. Dort beschäftigte er sich mit forstwirtschaftlichen Messwerkzeugen und der Produktion von Fräs- und Hobelmaschinen. Durch den Kauf eines Hauses und Grundstücks übernahm er sich finanziell erneut, was eine Sammlung für eine monatliche Rente durch Nutznießer der von Keller entwickelten Papierherstellung nicht allzu sehr verbesserte. Allerdings rückte er ein wenig in die Öffentlichkeit und er wurde für seine Verdienste ausgezeichnet. Friedrich Gottlob Keller starb 1895 in Krippen.

Erinnerungen im Elbsandsteingebirge

Keller hat ein paar Spuren in der Sächsischen Schweiz hinterlassen. In seinem letzten Wohnort Krippen können sein Wohnhaus, das heute zu einem Museum umgebaut wurde, und sein Grab besichtigt werden. Wir empfehlen eine Wanderung rund um Krippen über die Kleine Bastei zum nach dem Erfinder benannten „Kellerfels“.

Auch die Neumannmühle im Kirnitzschtal erinnert an die Erfindung des Holzschliffs. Das technische Denkmal ist die älteste Säge- und Holzschliffmühle der Gegend. Hier kann man sich verschiedenste Geräte anschauen, die um 1870 zur Papierherstellung genutzt wurden. Die Neumannmühle erreicht man übrigens super über den Malerweg und kann nach Etappenende dort einkehren und sogar übernachten, bevor man weiterwandert.

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