Ein Ausflug in den Freizeitpark gehört zu einem Urlaub mit Kindern einfach dazu. In der Sächsischen Schweiz stehen gleich mehrere dieser bunten Erlebnisreiche zur Wahl. Nicht nur bei Feriengästen sind sie beliebt. Wir haben Familien aus der Region gebeten, uns ihre liebsten Freizeitziele vorzustellen. Teil 1 unserer dreiteiligen Mini-Serie: der Miniaturpark Kleine Sächsische Schweiz in Dorf Wehlen, ein Lebenswerk aus Sandstein.

Der einjährige Leopold muss sich strecken, um an den schwarzen Knopf vor dem Miniatursteinbruch zu kommen. Seine sechsjährige Schwester Leonore hilft ihm. Gemeinsam drücken sie ihn nach unten. Drei Warnsignale ertönen. „Krawumm“, donnert die Sprengung. Der Boden bebt. Die Sandsteinwand fällt. Rauch quilt aus dem Steinbruch und verhüllt die Miniaturlandschaft. Leopold staunt. Neben ihm stehen die drei Brüder Nicolas, Johannes und Matthias Sattler. Gebannt schauen sie auf die winzigen Sandsteinfelsen und die Steinbrecher, bis sich der Nebel verzogen hat.

Die fünf Kinder aus Dorf Wehlen zeigen uns an einem lauen Juniabend mit ihren Eltern und Urgroßeltern ihre Lieblingsplätze in der Kleinen Sächsischen Schweiz, einem 8.000 Quadratmeter großen Miniaturpark ganz in der Nähe des Elbstädtchens Wehlen. Es ist das Lebenswerk von Jan Lorenz, seinem Vater Michael und Mutter Karin. 1997 begann die Transformation von einem Hühnerhof auf dem Gelände eines ehemaligen Steinbruchs in die einzigartige Miniaturwelt aus nachgebildeten Felsen und Sehenswürdigkeiten der Sächsischen Schweiz. Der Clou: Hauptwerkstoff war und ist der heimische Sandstein.

Sandsteinandenken in Miniaturform

„Wir hatten zwei Rüstböcke, ein Kantholz, Schubkarren, Spitzhacken und diese Wahnsinnsidee“, erinnert sich Jan Lorenz, damals 15 Jahre alt, an den Anfang des Projektes. Sein Vater, von Beruf Bauleiter, hatte zuvor schon einige Jahre im Keller seines Hauses aus Sandstein kleine Andenken, darunter auch bekannte Felsformationen, gemeißelt. Sie in einer Landschaft in Szene zu setzen, war seine Idee.

Sohn Jan ließ sich von der Begeisterung des Vaters anstecken, absolvierte bei den Sächsischen Sandsteinwerken eine Lehre als Steinmetz. Später setzte er den Steinbildhauermeister obenauf. 2011 übergab der Vater die Leitung des Freizeitparks an den Sohn. In der Schauwerkstatt können ihm Besucher bei der Arbeit an neuen Sandsteinmodellen oder Auftragsarbeiten über die Schulter schauen. Im Sandstein-Laden, um den sich Mutter Karin kümmert, sind die Souvenirs erhältlich.

Zu „Conquest of paradise“ fährt die Kirnitzschtalbahn ein

Inszenierte Überraschungseffekte wie im Miniatur-Steinbruch sind ein Merkmal der Kleinen Sächsischen Schweiz. Am Lichtenhainer Wasserfall drückt der sechsjährige Matthias auf den schwarzen Knopf. Henry Maskes Einmarschlied „Conquest of Paradise“ erklingt. Aber statt des Boxweltmeisters fährt die Miniaturversion der Kirnitzschtalbahn vorbei, während im Hintergrund der Wasserfall plätschert. Matthias und sein Bruder Johannes lauschen andächtig.

Gegenüber dreht unterhalb des nachgebauten Liliensteins auf einem Wassergraben, der die Elbe darstellt, ein Schleppdampfer seine Runde. Die drei Brüder mustern ihn genau. Der siebenjährige Johannes beugt sich nach vorn, um noch besser sehen zu können. „Ich bin mit dem Kindergarten auch schon mal Dampfer gefahren“, sagt er. Dieser hier kann es allerdings nicht gewesen sein. Der echte Schleppdampfer „Sachsen“ ging 1945 außer Dienst.

Im Audioguide spannende Geschichten aus der Sächsischen Schweiz hören

Solche Details erfahren Besucher, wenn sie mit ihrem Smartphone einen QR-Code, der auf kleinen grünen Schildern abgedruckt ist, scannen. Dann öffnet sich der Audioguide zur Kleinen Sächsischen Schweiz. In kurzen Hörbeiträgen erklärt ein Sprecher Wissenswertes zur jeweiligen Sehenswürdigkeit. So wird der Miniaturpark zum begehbaren Heimatlexikon.

Wissen spielerisch vermitteln: Das ist ein Anliegen von Jan Lorenz. „Mir ist es wichtig, den Besuchern die Besonderheiten der Sächsischen Schweiz nahe zu bringen“, sagt der Wehlener. So erfahren sie hier mehr über die erste deutsche Ballonfahrerin und ihren Absturz über der Sächsischen Schweiz oder über das Flugzeug „Baade 152“, dessen Triebwerke in Pirna entwickelt wurden. Kinder können sich am Eingang das „Fuchsi-Quiz“ oder das „Stempel-Such-Quiz“ ausleihen. Ganz nebenbei sammeln sie so Wissen über das Elbsandsteingebirge.

Gästebeförderung per Miniatur-Bergbahn

Unsere jungen Parkführer interessieren sich jetzt allerdings vor allem für die Miniatur-Bergbahn. Die winzige Lokomotive ist eine Nachbildung der sächsischen IV K Lok, die einst durchs Schwarzbachtal fuhr. Am Bahnhof „Goßdorf-Kohlmühle“ steigen alle auf die kleinen Anhänger. Leonore, die Tochter des Inhabers, darf die Gäste – heute ihre Urgroßeltern, ihren Bruder Leopold und eine Nachbarsfamilie – ausnahmsweise ein Stück fahren. „Leopold, fein festhalten“, ruft Urgroßmutter Doris dem Einjährigen noch zu, dann geht es los. Vorsichtig drückt Leonore den schwarzen Hebel und schon setzt sich die Kleinbahn in Bewegung. 900 Meter geht es acht Höhenmeter hinauf zum Bahnhof „Lohsdorf“ und wieder zurück. Für die kleine Schmalspurbahn wegen des starken Gefälles ein Kraftakt.

Leopold ist für heute genug Bahn gefahren. Er quengelt. Mutter Henriette gibt ihm eine Trinkflasche. Leonore und die drei Nachbarsjungen klettern zum Abschluss schnell ins Spielhäuschen, das mit bunten Bällen gefüllt ist. Währenddessen sind die Urgroßeltern schon auf dem Weg nach draußen. Sie werfen noch einen Blick in den Sandstein-Laden. Hier verkaufen Jan Lorenz und sein Team die in der Werkstatt entstandenen Felsminiaturen, Pyramiden und Postsäulen. Auch Brettspiele können sich Kinder hier ausleihen, die dann im Freizeitpark auf Picknicktischen ausprobiert werden können. Bevor auch wir „Auf Wiedersehen!“ sagen, muss uns Jan Lorenz von seinen Zukunftsideen berichten. Und davon hat er wahnsinnig viele im Kopf. In diesem Jahr will er das Modell der Schifferfastnachten fertig stellen. Die einmalige regionale Karnevalstradition soll mit Seifenblasen und Guggemusik zünftig in Szene gesetzt werden. Außerdem sind einige Tunneleinfahrten zu meißeln. Dann wartet das Wappen für eine Postsäule auf seine Vollendung. Nein, fertig wird die Kleine Sächsische Schweiz wohl nie – wie das so ist, bei einem Lebenswerk.


Tickets

Tickets für den Besuch der kleinen Sächsischen Schweiz können hier gebucht werden: Erlebnis-Shop


Mehr Infos

Adresse

Schustergasse 8
01829 Dorf Wehlen

Öffnungszeiten

April bis Oktober
10 bis 18 Uhr

Verpflegung

Kleines Imbissangebot im Freizeitpark.

Barrierefreiheit

Der Freizeitpark ist für Rollstuhlfahrer in Begleitung geeignet.


Fotos und Text: Sebastian Thiel und Angela Zimmerling


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Ein Kommentar

Sandsteinwelt in Miniatur - Kleine Sächsische Schweiz

  1. Ich habe die kleine Sächsische Schweiz Anfang September besucht. Sehr sehenswert. Zumal ich viele dort gezeigte Sehenswürdigkeiten im Original kenne. Der Besuch lohnt sich und meiner Meinung nach nicht nur für Kinder.
    Aus meiner Sicht ein Nachteil, der Weg von Stadt Wehlen bis nach Dorf Wehlen ist doch etwas anstrengend und weit. Vorteilhaft wäre es wenn vom Marktplatz in Stadt Wehlen eine kleine Bahn zur Ausstellung fahren würde.

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