Hand hoch. Wer hat beim Wort Kultur sofort die „ganz große Oper“ oder den staubtrockenen Vormittag voller Jahreszahlen im Museum vor Augen? Dabei lernt man doch bekanntermaßen nie aus. Wie wäre es also mit einem Perspektivwechsel?

Übrigens sind alle Spots auch mit dem ÖPNV erreichbar. Dank 9-Euro-Ticket & Gästekarte mobil seid ihr sogar kostengünstig unterwegs, könnt eurem PKW vielleicht eine Pause gönnen und erspart euch obendrein die Parkplatzsuche. Bei der Planung eurer Anreise hilft die Seite des Verkehrsverbundes Oberelbe.

1. Ein wenig wie Versailles

Grand Trianon in klein – Barockgarten Großsedlitz

Ein Vorbild zu haben, kann hilfreich sein. Unser Kurfürst August der Starke beispielsweise eiferte seinem großen Vorbild, dem Sonnenkönig Ludwig XIV nach. Dieser hatte sich als privaten Rückzugsort das Grand Trianon erbauen lassen. August ließ sich daher unter anderem den Barockgarten Großsedlitz errichten: Der 18 Hektar große Park in französischem Stil gilt als Kleinod barocker Gartenbaukunst – Sachsens Versailles.

2. Garantiert original

Auf dem Sonnenstein hoch oben über Pirna, in den Bastionen der ehemaligen Festungsanlage könnt ihr dieses Jahr Einmaliges sehen. Beim Pirnaer Skulpturensommer 2022/23 werden originale Barockwerke, wie Putti und mythologische Figuren, einer Auswahl heutiger Steinskulpturen gegenübergestellt. Selbst im Dresdner Zwinger stehen aus Denkmalschutzgründen „nur“ Kopien. Wer also die sandsteinernen Originale einmal persönlich in Augenschein nehmen möchte, bevor sie wieder in der Zwingerbauhütte untertauchen, sollte sich auf den Weg nach Pirna machen.

3. Auf in die Sommerfrische

Ob die Sommer anno dazumal schon so heiß waren, wissen wir nicht. Fest steht aber, dass es während der warmen Jahreszeit viele Künstler in die Sächsische Schweiz zog. Sie malten, dichteten oder komponierten.

Richard Wagner zum Beispiel ging es genauso, wie anderen Menschen: Er brauchte Urlaub auf dem Lande und mietete sich deshalb in einem Graupaer Bauerngut ein. In einem Schaffensrausch entstand der musikalische Entwurf seiner Oper „Lohengrin“, sein bis heute erfolgreichstes Werk. In den Richard-Wagner-Stätten könnt ihr mehr darüber erfahren.

Die Wehlener Künstlerin Anne Kern bei der Arbeit

Weit vor Wagner waren Adrian Zingg, Caspar David Friedrich, Ludwig Richter, Robert Sterl und viele andere hier unterwegs. Wer dem Malerweg folgt, begibt sich damit auf ihre Spur und kann auch heute noch viele Künstler kennenlernen, die sich von der wunderbaren Landschaft inspirieren lassen und sich freuen, wenn ihr die Ausstellungen oder vielleicht sogar das Atelier besucht. Wer Lust hat, kann auch einen Malkurs buchen und den Pinsel schwingen wie die alten Meister.

4. Bretter, die die Welt bedeuten

Nach zweijähriger Sanierung wieder geöffnet – die Felsenbühne Rathen

Ein Freilufttheater mitten in einem Nationalpark: Die Felsenbühne Rathen gehört zweifelsohne zu den kulturellen Höhepunkten der Region. Gelegen im Talschluss des Wehlgrunds gilt die Spielstätte als eine der schönsten Europas. In dieser Saison stehen der „Fliegende Holländer, „Jedermann“ und „Das kalte Herz“ auf dem Spielplan. Noch bis zum 4. September habt ihr die Chance, dabei zu sein. Eine andere spannende Geschichte bieten die Sandsteinspiele in Reinhardtsdorf-Schöna, nämlich Wandertheater im wahren Wortsinn. Das neue Programm nennt sich “In Zeit baden – über die Schönheit des Moments in Geh-Zeiten reflektierten Wahnsinns”.

5. Wieder was gelernt

Klein, aber oho. In einem Stadtmuseum geht es nicht immer um die ganz große Geschichte. Dafür gibt es so manche interessante regionale Entdeckung zu machen. Fast jeder Ort in der Sächsischen Schweiz nennt ein Heimat- oder Stadtmuseum sein eigen.

In Bad Schandau beispielweise wird die eine Sammlung des Völkerkundlers und Reisejournalisten Erich Wustmann präsentiert. Zu sehen sind Exponate und Fotos seiner Forschungsreisen Skandinavien und Südamerika. Im gleichen Haus widmet sich eine Dauerausstellung dem Thema Klettern. Weiter ins Kirnitzschtal hinauf könnt ihr eine historische Mühle besuchen.

Noch intakt – die Neumannmühle im Kirnitzschtal

Auch ziemlich einmalig sind wohl die medizinhistorischen Sammlungen in Gottleuba. Wer heutige Arztbehandlungen wirklich schätzen lernen möchte, sollte unbedingt dort gewesen sein. Dass die Region zumindest in Teilen schon während der Jungsteinzeit bewohnt war, könnt ihr im Heimatmuseum Dohna lernen und sollte Interesse am Goldschürfen bestehen, könnt ihr das in der Gold- und Mineralien-Erlebnisstätte in Berthelsdorf stillen.

6. Musikalischer Hochgenuss

Abwechslung muss sein. Beim Internationalen Bad Schandauer Musiksommer gibt es davon genügend. Virtuose Klassik, Chorgesang, schwungvoller Klezmer, feurige Töne auf der Gitarre und vierhändig am Konzertflügel, die Orgeln der St. Johanniskirche Bad Schandau und der Bauernbarockkirche Reinhardtsdorf (solistisch und in Kombination mit Saxophon), mitreißende Blechbläserklänge, himmlische Handglockentöne – all dies hält der Musiksommer für euch bereit und lässt jedes einzelne dieser Konzerte zu einem kleinen Highlight werden.

Musik liegt in der Luft

7. Da gibt es was auf´s Ohr

Wer denkt, wir können nur klassisch, der kann sich in Pirna vom Gegenteil überzeugen. Das Tom-Pauls-Theater und die Kleinkunstbühne Q24 laden noch den ganzen Juli zum Kultursommer ans Elbufer ein. Gespielt und gerockt wird von jeweils vom Donnerstag bis zum Sonntag.

Mindestens genauso fetzig geht es beim Open Air auf der Festung Königstein zu. Die Macher versprechen, zu rocken bis das Elbtal wackelt!

8. Kreativ unterwegs

Welken eure Blumen auch immer so fix? Da wüssten wir Abhilfe. Wie wäre es, wenn ihr selbst zur Tat schreitet. Ab Ende Juli kann in der Deutschen Kunstblume Sebnitz wieder fleißig geblümelt werden. Von der Rose bis zum Weihnachtsstern. Ihr habt die Wahl. Natürlich habt ihr auch die Option, den geübten Handwerkerinnen zuschauen und ein Sträußchen zu kaufen.

Selbst geblümelt hält am längsten

9. Bastionen der Geschichte

Was macht eine Wehranlage unbezwingbar? Was muss sich eine Gräfin zu Schulden kommen lassen, um lebenslang auf eine abgelegene Burg verbannt zu werden? Wo gibt es eine der beiden größten deutschen Hortensiensammlungen und einen wunderbaren Park zu bewundern? Wer darüber mehr wissen möchte, besuche einfach die Festung Königstein, die Burg Stolpen sowie das Landschloss Zuschendorf.

Fast 500 unterschiedliche Hortensiensorten gehören zur Zuschendorfer Sammlung.

Bildnachweise / Copyrights:
Großsedlitz © Sylvio Dittrich
Anne Kern © Marco Förster
Felsenbühne © Landesbühne, Michael Schmidt
Neumannmühle © Marco Förster
Violine © AdobeStock.com_Kuzmaphoto
Beim Blümeln © Yvonne Brückner
Hortensien © Mandy Krebs

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