Bässe, Celli und Pauken erzählen in bedrohlicher Dissonanz von finsteren Schluchten, Violinen und Holzbläser mit lieblichen Motiven von friedvollem Hügelland: Große Komponisten haben die dramatische Landschaft der Sächsischen Schweiz in Musik übersetzt. Doch längst ist die markante Felsenwelt nicht mehr „nur“ Ort der Inspiration, sondern auch Aufführungsort: Hochkarätige Klassikfestivals und spannende Konzerte laden an manchmal ungewöhnlichen Orten zum naturnahen Kulturerlebnis.

Wagneriade und Richard-Wagner-Spiele: ein Wagner-Sommer in Graupa

„Gott sei Lob, ich bin auf dem Lande … in der reizendsten Gegend von der Sächsischen Schweiz und fange wieder an, als Mensch und Künstler aufzuatmen“, schreibt Richard Wagner im Jahr 1846 aus Graupa dem Schriftsteller Karl Gaillard. Zwischen Mitte Mai und Ende Juli macht Wagner in dem malerischen Ort in der Sächsischen Schweiz, der heute zu Pirna gehört, Urlaub, erholt sich von der Arbeit als Hofkapellmeister in Dresden. Inspiriert von der Landschaft, bringt er hier erste musikalische Skizzen für die Oper Lohengrin zu Papier.

Wagneriade (c) Katja Pinzer-Hennig
Wagneriade Foto: Katja Pinzer-Hennig
Wagneriade (c) Blicklicht Photographie
Rotes Sofa bei der Wagneriade. Foto: Blicklicht Photographie

Graupa erinnert jedes Jahr mit einem sommerlichen Veranstaltungsreigen an den Aufenthalt des Meisters. Bei der Wagneriade (22.-27. Mai 2018) werden mit Kulturgespräch, Filmen, Jazz und Familienfest neue Perspektiven auf den Komponisten und sein Werk eröffnet.

Einen Monat später beginnen die Richard-Wagner-Spiele (29. Juni bis 7. Juli 2018). Regisseur Johannes Gärtner zeigt in diesem Jahr die multimediale Inszenierung „Wagners Welt: EXIL“. Das deutsch-tschechische Projekt erzählt mit Ausschnitten aus Wagners Opern „Tristan“ und „Die Meistersinger“ sowie mit den Wesendonck-Liedern und dem Siegfried-Idyll von seinen Reisen durch halb Europa, von seinen Kämpfen und Liebesgeschichten. Ein Ensemble aus Sängern, Schauspielern, Chören, Tänzern und Orchester tritt an, ein Gesamtkunstwerk in Wagners Sinne zu schaffen. Am Ende der musikalischen Abenteuerreise steht eine Feuerwerks-Performance in romantischer Atmosphäre im Schlosspark.

Wagneriade
22. Mai | 25. Mai | 26. Mai | 27. Mai

Richard-Wagner-Spiele
29. Juni | 30. Juni | 6. Juli | 7. Juli
www.wagnerstaetten.de

Internationale Schostakowitsch Tage Gohrisch: Begegnung mit der polnischen Moderne

Über 100 Jahre nach Wagner bringt ein weiterer bedeutender Komponist in der Region ein großes, sehr persönliches Werk zu Papier. Die Welt ist nach Revolutionen und zwei Weltkriegen eine andere. Der eiserne Vorhang trennt die geschundenen Völker Europas. Die Epoche Romantik ist nur noch wie ein ferner schöner Traum, eine Kategorie für Kunsthistoriker. Der Weltschmerz der Künstler ist geblieben.

Der Komponist ist Dmitri Schostakowitsch. Im Juli 1960 verbringt er einige Tage im Gästehaus des Ministerrates der DDR im Kurort Gohrisch. Eigentlich war Schostakowitsch in die DDR gekommen, um die Musik für einen sowjetischen Spielfilm zu schreiben, in dem die Rote Armee die Dresdner Kunstschätze rettet. Herausgekommen ist stattdessen eines seiner meist gespielten Werke.

Unter einer Rotbuche an einem Teich findet er ein lauschiges Plätzchen, um nachzudenken. „Die Gegend ist unerhört schön. Übrigens gehört sich das für sie auch so: Die Gegend nennt sich ‚Sächsische Schweiz’. Die schöpferischen Arbeitsbedingungen haben sich gelohnt: Ich habe dort mein 8. Streichquartett komponiert“, schreibt er an seinen besten Freund Isaak Glikman.

Seit 2010 bekommt der Künstler mit den Schostakowitsch Tagen in Gohrisch einmal im Jahr ein musikalisches Denkmal gesetzt. In diesem Jahr schweift der Blick auf das östliche Nachbarland. „Schostakowitsch und die polnische Moderne“ lautet das Festivalmotto.

Schostakowitsch-Tage (c) Oliver Killig
Schostakowitsch-Tage im Kurort Gohrisch. Foto: Oliver Killig

Die Komponisten Krzysztof Penderecki und Krzysztof Meyer sind persönlich zu Gast. Meyer hat für die Schostakowitsch Tage ein neues Streichquartett (Nr. 15) geschrieben, das die Musiker des Lutosławski Quartet aus der Taufe heben werden. Penderecki präsentiert eine neue Fassung seiner „Ciaccona in memoriam Johannes Paul II.“

Und mit einem kurzen Impromptu für Viola und Klavier wird der jüngste Sensationsfund im Schaffen Schostakowitschs erstmals öffentlich erklingen: Die Musikwissenschaftlerin Olga Digonskaya hat die beiden Manuskriptseiten, die Schostakowitsch 1931 für den Bratscher Alexander Ryvkin schrieb, erst im September 2017 im Moskauer Staatsarchiv entdeckt. Mit einem Sonderkonzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden in der Semperoper wird das Festival am 21. Juni eingeläutet. Zu allen Konzerten in Gohrisch gibt es vor Beginn eine Konzerteinführung im Saal der Gemeindeverwaltung.

9. Internationale Schostakowitsch Tage Gohrisch
22. bis 24. Juni 2018
www.schostakowitsch-tage.de

Festival Sandstein und Musik: Klassik in ehrwürdigen Gemäuern

Das Urgestein unter den Musikfestivals in der Sächsischen Schweiz ist „Sandstein und Musik“. Seine Geschichte reicht zurück bis in die frühe Nachwendezeit. Als der Startrompeter Ludwig Güttler und seine Mitstreiter im Jahr 1992 mit der Idee für ein Klassikfestival an verschiedenen Orten in der Sächsischen Schweiz auf Partnersuche gehen, begegnet ihnen zunächst Zurückhaltung. Die Idee sei großartig, funktioniere aber hier nicht, bekommen sie zu hören.

Die Initiatoren lassen sich nicht beirren. Ein Jahr später findet das Klassikfestival „Sandstein und Musik“ zum ersten Mal statt. Es wird zu einer festen Größe im Veranstaltungskalender der Region. Jahr für Jahr kommen Menschen aus der Umgebung, aus Dresden und von weit her, um ein facettenreiches Konzertprogramm in Schlössern, Kirchen, Burgen oder Steinbrüchen zu hören.

In diesem Jahr erlebt das Festival seine 26. Auflage. „Krieg und Frieden“ ist das Motto des aktuellen Jahrgangs. Dabei stehen – 400 Jahre nach Beginn des Dreißigjährigen Krieges und 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges – Werke im Mittelpunkt, die von militärischen Konflikten und der Hoffnung auf ihr Ende handeln. Die Konzerte bringen sowohl Künstler auf die Bühne, die zum ersten Mal bei Sandstein und Musik auftreten, wie das Klaviertrio JULICA und das Vokalensemble AuditivVokal Dresden, als auch international renommierte Interpreten wie Pianist Florian Uhlig und das Raschèr Saxophone Quartet.

26. Festival Sandstein und Musik
bis 9. Dezember 2018
www.sandstein-musik.de

Internationaler Bad Schandauer Orgel- und Musiksommer: von geistlicher Musik bis zum Jazz

Nur wenig jünger als „Sandstein und Musik“ ist der Bad Schandauer Orgel- und Musiksommer. Seit 1995 organisiert ihn die Kantorenfamilie der mehr als 300 Jahre alten St. Johanniskirche im ältesten Kurort der Sächsischen Schweiz. Ursprünglich ausschließlich der Orgelmusik gewidmet, wird das Spektrum von Jahr zu Jahr breiter. Zur sakralen kommen Kammer- und Chormusik, sinfonische Konzerte und Musikprojekte. Der „Internationale Bad Schandauer Orgel- und Musiksommer“ wird ein Besuchermagnet.

Auch in diesem Jahr findet er wieder statt. Vom 1. Juni bis 5. Oktober 2018 musizieren jeweils am Freitagabend Musiker aus Deutschland und dem Ausland in der St. Johanniskirche und in der Barrockkirche Reinhardtsdorf. Höhepunkt ist das Musikprojekt „Kreuzleich“: Die mehrfach preisgekrönten Sänger der Octavians und der Organist Matthias Eisenberg präsentieren Werke Heinrichs von Meissen, einem der einflussreichsten deutschsprachigen Dichter des 14. Jahrhunderts.

23. Internationaler Bad Schandauer Orgel- und Musiksommer
1. Juni bis 5. Oktober 2018
www.schandau.hiller-musik.de

Text: Angela Zimmerling

Titelfoto: Schostakowitsch-Tage  im Kurort Gohrisch. Foto: Oliver Killig

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