Urlaubsmagazin Sächsische Schweiz 2022

URLAUBSMAGAZIN Sächsische Schweiz 2022 www.saechsische-schweiz.de 28 BEWEGUNG Wie bitte? Dieser unscheinbare Brocken soll der Felsen sein, von dem aus Caspar David Friedrichs »Wanderer über dem Nebelmeer« seit über 200 Jahren über die Landschaft schaut? Wir sind perplex. In unserem Wanderführer stand nichts von dieser Überraschung am Wegesrand. Auf einer Infotafel lesen wir, dass der Stein über einen Umweg in das Gemälde gekommen ist. Am 3. Juni 1813, einem Donnerstag, sitzt der später berühmte Romantiker an genau dieser Stelle und zeichnet mit Bleistift das markante Profil des Blocks. Als er einige Jahre später im Atelier die Landschaft des »Wanderers« aus verschiedenen Felsen der Sächsischen stehen können. Auf dem Gipfel bietet sich uns im sanften Morgenlicht das erste Panoramaerlebnis des Tages. Auf der einen Seite liegt Schöna. Wir hören leise das beharrliche Krähen eines Hahns, der versucht, das noch schlafende Dorf zu wecken. Auf der anderen Seite blicken wir auf den Zirkelstein (385 Meter), der mit seinem kreisrunden Sockel aus Wald und seinem zierlichen Felsenhütchen surreal adrett in der Landschaft steht. Tafelberge: Das soll heute unser Thema sein. Man sagt, es stehen nirgendwo auf der Erde diese kuriosen und eher seltenen Bergformen so dicht und zahlreich wie hier, südlich der Elbe in der Sächsischen Schweiz. Die Höhen sind moderat. So können ambitionierte Wanderer problemlos bei einer Tour mehrere Gipfel stürmen. Das haben auch wir vor. Die Kaiserkrone soll nur der Auftakt sein. Papststein (451 Meter) und Gohrisch (440 Meter) werden das Finale. Zwischendrin wollen wir noch ein Stück den Kleinhennersdorfer Stein (392 Meter) hinaufsteigen, um die bekannte Lichterhöhle zu erkunden. Insgesamt 17 Kilometer ist die Etappe ohne Extratouren lang. Sieben Stunden gibt unser Wanderführer dafür an. Wir rechnen mit Abstechern und reichlich Fotozeit mit mindestens zehn. Aus dem Elbtal geht es sofort steil bergan auf eine Ebene. Wer mit der Fähre von der wildromantischen Nationalparkseite herüberkommt, erlebt einen drastischen Szenenwechsel. Statt durch verwinkelte Felsreviere und mystische Schluchten geht es jetzt über weites, sonniges Hügelland mit verstreut liegenden Dörfern und den majestätischen Tafelbergen. In der Ferne, im bläulichen Dunst auf der anderen Elbseite, stehen die Schrammsteine wie die Mauer zum Reich eines bösen Zauberers. Einer der faszinierendsten Orte an der Etappe ist die Kirche von Reinhardtsdorf. Schon von Weitem weist ihr blassblau gestrichenes Türmchen den Weg. Als wir hier gegen Vormittag ankommen, ist es bereits schwülwarm. Umso wohltuender ist der Empfang, den uns das kleine Gotteshaus bereitet: schattig, kühl und mit dem Schweiz komponiert, greift er auf die Skizze zurück. Es ist ein Dienstagmorgen im Juli. Wir sind auf dem Malerweg Elbsandsteingebirge unterwegs – genauer auf Etappe 6, die von Schmilka nach Gohrisch führt. Der Tafelberg Kaiserkrone (351 Meter), an dessen Aufstieg sich Friedrichs Felsen versteckt, liegt nicht direkt am Weg, aber so verführerisch nah, dass wir nicht wider- Sebastian Thiel

RkJQdWJsaXNoZXIy NTM3MTM=