URLAUBSMAGAZIN Sächsische Schweiz 2022 www.saechsische-schweiz.de 16 NATURWUNDER Nationalpark Sächsische Schweiz GRÜNESWUNDER Klein, aber oho: Der Nationalpark Sächsische Schweiz zählt zwar zu den kleinsten in Deutschland, aber auch zu den spektakulärsten. Es ist ein aufregendes Stück Wildnis mitten in Europa. Spannend wie ein Krimi muss sie gewesen sein, die Gründung des Nationalparks Sächsische Schweiz im Herbst 1990. Es sind die letzten Tage der DDR. Die Regierung steht kurz vor ihrer Selbstauflösung. Einige Protagonisten der DDRUmweltbewegung, die in der Wendezeit auf wichtige Verwaltungsposten gelangt sind, arbeiten seit Monaten mit Hochdruck daran, noch rechtzeitig vor der Wiedervereinigung den wertvollsten Naturlandschaften Ostdeutschlands robusten gesetzlichen Schutz zu verschaffen. Sie sehen eine vielleicht einmalige Chance. Und wahrscheinlich haben sie Recht. Es geht um immerhin fast fünf Prozent der Fläche der DDR: viel Land, das Begehrlichkeiten weckt. Tatsächlich kommt Gegenwind aus den Landwirtschafts- und Verkehrsministerien in Ost und West. Doch mit dem damaligen Bundesumweltminister Professor Klaus Töpfer gibt es einen prominenten Fürsprecher. Außerdem leisten westdeutsche Nationalparks und Umweltverbände Unterstützung. Letztlich glückt das Vorhaben. In seiner drittletzten Sitzung am 12. September 1990 beschließt der DDR-Ministerrat als 14. Tagesordnungspunkt die Verordnung über fünf Nationalparks, sechs Biosphärenreservate und drei Naturparks. Töpfer spricht später vom »Tafelsilber der deutschen Einheit«. Dazu gehört der Nationalpark Sächsische Schweiz. »Mit der Festsetzung zum Nationalpark wird bezweckt, die für Europa einmalige naturräumliche Eigenart des Elbsandsteingebirges einschließlich seiner Übergangslagen zu bewahren«, steht in der Verordnung. Außerdem sei es ein Anliegen, »im Gebiet der Bevölkerung Bildung und Erholung einschließlich Bergsport zu ermöglichen.« Keine 100 Quadratkilometer ist das Schutzgebiet groß. Das ist winzig im Vergleich zu den großen Nationalparks der Erde. Und doch ist es beachtlich, wenn man sich seine Lage vor Augen führt. Die Sächsische Schweiz liegt mitten in einer seit Jahrtausenden besiedelten Kulturlandschaft. Der Ballungsraum Dresden mit 1,3 Millionen Einwohnern schließt sich direkt an. Dass sich hier ein Stück Wildnis erhalten konnte, ist ein Wunder. Einen wesentlichen Beitrag hat die schroffe Unzugänglichkeit der Felsenwelt geleistet. Doch auch frühe Naturschutzinitiativen haben eine Rolle gespielt. Naturschutz und Tourismus: Das geht bis heute im Nationalpark Sächsische Schweiz Hand in Hand. Das Schutzgebiet ist mit etwa 500 heimischen Blütenpflanzen- und rund 200 Wirbeltierarten ein biologisches Schatzkästchen. Zahlreiche seltene Arten haben hier ihr letztes Refugium. Zugleich ist es mit seiner dramatischen Landschaft die touristische Hauptattraktion der Region. Die Balance zu halten, zwischen Naturschutz und touristischer Nutzung: Das ist die Aufgabe, die bleibt – auch für die Besucher. // www.nationalpark-saechsische-schweiz.de Gartenschläfer Bernd Grundmann Schrammsteine und Falkenstein Matthias Menge
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