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Gepostet on Jan 28, 2010 in Reiseberichte | 1 Kommentar

Herbstliche Wanderung

Liebes Team,  wir sind im Oktober die drei linkselbischen Etappen des Malerwegs gewandert. Unsere Impressionen und Eindrücke habe ich in einem Text zusammengefasst, den ich Ihnen schon längst zukommen lassen wollte.  Trotz widrigen Wetters und frühen Wintereinbruchs hatten wir eine einmalige Wandertour. Danke für die Pflege dieses tollen Wanderwegs. Herzliche Grüße aus Frankfurt, Lenore Hinkel

Als der Wanderer aus seiner Unterkunft tritt, ist er überrascht von der morgendlichen Kühle, die seine noch warmen Glieder umfängt. Die Kälte beißt in seine bloßen Wangen und Finger. Er fröstelt. Die unerwartete Frische vertreibt die Mattheit in seinem Kopf. Die Wolken hängen tief über der Hochebene und umlagern die Tafelberge des Elbsandsteingebirges mit einer tristen Mischung aus Grau und Weiß. Doch in den Vorgärten des Dorfes blühen die Sonnenblumen und Dahlien üppig.

Für eine Weile schwelgt sein Auge im verschwenderischen Reichtum der Farben. Erquickt schreitet er nun im fahlen Morgenlicht über das offene Feld auf den Wald zu. Der Wind bläst stark aus Nordwest und wirbelt die herabgefallenen Blätter auf. In bunten Reigen schweben sie durch die kalte Luft langsam wieder zu Boden. Der Schrei eines Bussards lässt den Wanderer aufhorchen. Hoch am Himmel entdeckt er den Vogel, der über dem brachliegenden Acker kreist. Kurz hält er inne und verliert sich in der Beobachtung seines Fluges doch Kälte und Wind treiben ihn bald schon wieder zügig voran. Er atmet auf, als er den Waldrand erreicht, denn hier ist er vor den heftigen Angriffen des Windes besser geschützt. Genießerisch nimmt er den erdigen, modrigen Geruch des Waldes in sich auf.

Von würzigen Aromen verführt, weicht der Wanderer immer wieder vom Weg ab. Leicht federn seine Schritte auf dem feuchten Laubpolster. Schon hat er eine dunkelbraune Kappe entdeckt, die das Laub durchbricht. Mit den Händen befreit er den Pilz aus seinem Nest aus Blättern und Nadeln. Vor ihm steht ein Steinpilz, so groß wie die Länge seiner Hand. Das Glück über den Fund durchströmt warm seinen Körper und lässt ihn aufjauchzen. Beinahe zärtlich verstaut er den sorgfältig gesäuberten Pilz in seinem Rucksack.

Stetig geht es jetzt weiter bergan. Der Weg ist mit einem dichten Teppich aus Bucheckern und Eicheln bedeckt. Unter seinen Füßen knirschen die zerplatzenden Schalen. Auf halber Höhe setzt ein leichter Nieselregen ein. An den Aussichtspunkten sieht er, wie entlang der Berghänge die Feuchtigkeit in dicken Nebelschwaden empor dampft, als ob in den Tälern Hunderte von Lagerfeuern brennen würden. Je höher der Wanderer steigt, desto dichter wird die Wand aus Dunst und Nebel. Auf der Kuppe bläst ihm der starke Nordwestwind direkt ins Gesicht. Rasch hüllt er sich wieder in das wärmende Fleece, das er vom Aufstieg erhitzt ausgezogen hatte.

Ein Unwetter zieht auf. Vom Gipfel aus sieht er deutlich das dunkle Wolkenband auf sich zukommen. Der Himmel verdüstert sich bedrohlich . Schon setzt ein Schneeschauer ein. Gegenüber der Festungsmauer sucht er Schutz unter dem Blätterdach einiger Bäume. Erschreckt drückt er sich an den Zaun, der hier den Weg begrenzt. Der Wind heult furchterregend. Blätter wirbeln im rasanten Tanz umher, steigen an der Mauer empor und stürzen jäh wieder hinunter, sind dem wilden Spiel des Sturmes völlig ausgeliefert. Plötzlich peitscht ein Graupelschauer an dem erstarrten Wanderer vorbei. Erstaunt nimmt er den Schmerz wahr, den die Einschläge der eisigen Steinchen auf seinem Gesicht verursachen. Der Wind fegt Graupel und Laub mit gewaltiger Kraft horizontal über die Kuppe. Schon längst glaubt er nicht mehr an ein vorübergehendes Schauer, doch dann wird der Regen weniger und plötzlich ist der Spuk vorbei. Auf dem Abstieg lugt die Sonne hervor, ihre Strahlen blitzen durch den Nadelwald, bilden malerische Korridore aus Licht.

Gemächlich geht es hinab ins Tal. Ein Feuersalamander huscht über den Weg und verkriecht sich schnell unter einem Stein. Der Wanderer beugt sich nieder, doch sein aufmerksamer Blick vermag das Tier nicht festzuhalten. Endlich tritt er wieder aus dem Wald heraus. Über die grasbewachsenden Hügel der Hochebene geht er auf sein nächstes Nachtquartier zu. Die Abendsonne bricht durch die Wolken und hüllt das Tafelberg-Panorama in ein warmes gelb-rötliches Licht. Unschuldig und friedlich präsentiert sich das Gebirge, als ob nichts gewesen wäre. Die Sonne steht dem Wanderer genau im Rücken, doch ihre Strahlen wärmen schon nicht mehr.

eingesandt von Lenore Hinkel, 26.10.2009

1 Kommentar

  1. Wir bedanken uns ganz herzlich bei Frau Hinkel!

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