Elbsandsteingebirge / Sächsische Schweiz

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Gepostet am Apr 10, 2017 in Reiseberichte | Keine Kommentare

Das fertige Bild - es hat sich gelohnt - (c) Samuel Löning

Der frühe Vogel…

„Bereit sein ist viel, warten zu können ist mehr, doch erst den rechten Augenblick nützen ist alles“, so sprach schon Arthur Schnitzler über die Fotografie. Wer sich näher mit diesem tollen Hobby beschäftigt, wird immer wieder aufs Neue merken, wie wahr doch diese Aussage ist…

Es ist der 02. April, wir sind im Urlaub, in einer zu dieser Jahreszeit spärlich besuchten Jugendherberge, unweit der Basteibrücke. Der Wecker klingelt. Verschlafen greife ich nach ihm, gucke auf die Uhrzeit: 4.00 Uhr. Und das im Urlaub… Johannes, der im Bett gegenüber schläft, hat den Wecker gekonnt ignoriert, quittiert mein erstes „Guten Morgen“ nur mit einem Lagewechsel unter der Decke. Kurz überlege ich es ihm gleich zu tun, aber wir müssen aufstehen. Die Zeit drängt. Also streife ich die Decke zurück, schalte das Licht ein und versuche damit meinem Vorhaben Nachdruck zu verleihen. Und es zeigt Wirkung. Noch ziemlich verschlafen machen wir uns einige Minuten später auf den Weg zum Auto. Frühstück gibt es um diese Zeit noch nicht. Wie gut, dass wir noch eine Flasche Wasser und Kekse im Auto haben.

Noch liegen wir gut in der Zeit. Die Straßen sind leer, wir erreichen den Parkplatz unweit des Zielortes gegen 5.00 Uhr, einige Minuten früher als geplant. Die letzten Dinge müssen noch in den Rucksäcken verstaut und angesichts der doch recht niedrigen Temperaturen noch schnell ein zweiter Pullover angezogen werden. Taschenlampen an und los geht es in den Wald. Wir kennen den Weg noch aus der Erinnerung, waren ihn in den letzten Tagen schon mehrmals gelaufen.

 

Am Vortag – Der perfekte Platz für das Foto wird gesucht

Aber im Dunkeln sieht alles anders aus. „Waren wir an der Kreuzung beim letzten Mal auch?“ „Hätten wir nicht schon lange an dem Schild sein müssen?“ „Mussten wir da hinten nicht links abbiegen?“ Unser Weg führt uns vorbei an den nächtlichen Schwedenlöchern, in denen sich selbst der Strahl unserer starken Taschenlampen verliert. Überall knackt und raschelt es. Im Nachhinein kann ich nicht einmal sagen, ob es wirklich die Temperatur war, die uns immer wieder frösteln ließ.

Ein kurzer Blick auf die Uhr – 5.18 Uhr. So langsam müssen wir uns beeilen. Die Zeit wird knapp und wir haben noch ein gutes Stück Weg vor uns. Das Gelände wird steiniger und die Bäume lassen einen ersten Blick auf die Steinformationen zu – da ist sie, die Basteibrücke. Im Dunkeln ist unser Weg entlang der Schlucht noch nervenaufreibender. Wir bewegen uns vorsichtig, aber dennoch zügig, immer die Zeit im Hinterkopf. Spätestens um 6.34 Uhr müssen wir mit allen Vorbereitungen fertig sein – dann wird die Sonne aufgehen und ihr goldenes Licht auf die Basteibrücke werfen. Der Moment, für den wir heute Morgen aufgestanden sind. Wie ärgerlich wäre es, wenn wir ihn verpassen würden.

Noch ein paar Meter und wir haben unser am Vortag ausgewähltes Ziel erreicht. Wir schauen uns um und machen uns ein Bild von der nächtlichen Szenerie. Ich erinnere mich an das, was wir uns für heute vorgenommen haben und wir fangen an, unser Equipment auszupacken und aufzubauen. Die Kälte macht uns zunehmend zu schaffen, alles dauert etwas länger und die kalten Finger machen es schwer, die Kamera zu bedienen.
Doch nach einiger Zeit steht alles an seinem Platz und wir haben sogar noch Zeit für einen Keks und einen Schluck Wasser. Am Himmel zeigen sich die ersten Rottöne und ein letzter Blick auf die Uhr sagt uns, dass wir nicht mehr lange warten müssen.
Der Mond war schon fast vollständig verblasst und die ersten Fotos des Tages nutzen wir, um die Einstellungen und den Bildausschnitt zu optimieren. Am Horizont zeichnen sich die ersten Nebelschwaden ab – perfekt! Das ist genau das, was wir für ein gutes Bild gebrauchen können. Langsam wird es immer heller und das erste Licht fällt auf die Bastei.
Jetzt geht es los. Wir würden nur wenige Minuten haben, um den perfekten Moment mit unseren Kameras festzuhalten. Wir machen zahlreiche Bilder, ändern die Einstellungen, probieren mit anderen Objektiven und Filtern und hoffen, dass wir später am Computer ein gutes Bild dabei haben würden.
Wie wir aus unseren Erfahrungen wussten, war das Spektakel schnell vorbei. Nur wenige Minuten, nachdem sich der rote Ball das erste Mal am Himmel gezeigt hatte, wird es hell und die morgendliche Stimmung weicht dem hellen weißen Licht der Sonne. Mit jeder Minute steigt sie höher und beendet damit dieses eindrucksvolle Schauspiel aus Licht und Farben.

Die Kamera einstellen – Um im Dunkeln zu fokussieren hilft es, eine Lampe zu verwenden

Das Bild entsteht

Das fertige Bild – es hat sich gelohnt

Wir packen unsere Ausrüstung wieder ein, genießen die erste Wärme des Tages bei einem weiteren Keks und treten schließlich den Heimweg an. Nun finden wir den Weg schneller, sind bald darauf wieder am Auto. Wir fahren zurück in die Jugendherberge, schließen auf und treffen schon im Flur auf die ersten verschlafenen Gäste. Unser erster Weg führt uns in den Speisesaal. Als ein kleiner Junge neben uns sich über die frühe Uhrzeit beschwert, sehen wir uns an und müssen ein wenig lachen. Wenn die wüssten…

Gastautor und Fotograf: Samuel Löning

Samuel (li) und Johannes (re)

 

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